Kleine Wissenschaftler

- Kinder und Museum. Da wird ein Bach mit Widerständen und Schaufelrad feinstens nachgebaut, aber der Bub schlürft lieber vom Wasserschleier, hinter dem man sich verstecken kann. Durst und Wissensdurst verbinden sich. Vielleicht nicht ganz so, wie sich das die Museumsleute um Wolf Peter Fehlhammer, Generaldirektor des Deutschen Museums München, und Christof Gießler, Projektleiter des "Kinderreichs", gedacht haben.

<P>Erstes Ergebnis: Sie müssen noch viel von den Kleinen lernen. Was die wirklich mögen, was sie schnell begreifen - nämlich sehr viel - und vor allem, dass sie möglichst alles selbst tun, er-fassen, be-greifen, konstruieren wollen.<BR>Heuer wird das Deutsche Museum, gegründet von Oskar von Miller, 100 Jahre alt. Höchste Zeit, sich auch um die Kinder von drei bis zehn Jahre zu kümmern, die sich zwischen Gondel und Flugmotor doch schnell langweilen.</P><P>Nachdem die Sammlung Landverkehr im Mai ihr eigenes Zentrum auf dem alten Messegelände Theresienhöhe bekommt, konnte nun im Untergeschoss des Baus auf der Isarinsel das "Kinderreich" eingerichtet werden. Auf 1300 Quadratmetern geht es um das Spiel mit dem Wasser; vom Pritscheln zur Turbine sozusagen. Die Wasserkraft leitet über . alles bespielbar . zu Flaschenzug, Zahnrad oder Motor in Form eines wunderschönen, alten Feuerwehrautos, also zu anderen Kraftumwandlungen. </P><P>Sehr viel schwieriger ist die Vermittlung von Licht und Klang. Dioramen, Mondphasen und Musikinstrumente freuen wahrscheinlich eher die Erwachsenen als die Kleinen. Das Tanagra-Theater ist ein typisches, wenn auch ausgesprochen hübsches Beispiel dafür: eine Kommode mit einem Glaseinsatz in der Mitte. Dort zu sehen ist eine Märchenlandschaft. Wer hinter dem Schrank eine "Bühne" betritt, erscheint vorne per Hohlspiegel und flachen Spiegeln als kleine Märchenfigur. Das Selbermachen kommt hier zu kurz - mehr noch als bei der zu perfekten Wasserstraße. Wenn "Kinderreich" die jungen Menschen als "Wissenschaftler" ansieht, dann muss es ihnen auch die Freiheit der Wissenschaft gewähren. Warum nicht viel Unfertiges anbieten, zum Beispiel Blecheimer, Flaschen oder Plastikschläuche, um eigene Klang-Erzeuger zusammenzubasteln?</P><P>Fehlhammer bekennt selbst, dass die neue Abteilung "ein Experiment" ist. Nachdem dort eine "starke Betreuung" angeboten wird, sollte das Deutsche Museum Erfahrungen sammeln, sein Konzept anpassen und variieren. Auch Renate Schmidt, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, formulierte bei der Eröffnung das Wissensdefizit: "Wie muss frühkindliche Bildung und Erziehung ausschauen?" Das werden nur die Kinder beantworten _ wenn sich die Erwachsenen ehrlich bemühen, sie und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, zu achten und das Ergebnis umzusetzen. <BR>Simone Dattenberger</P><P>Täglich 9-16.30 Uhr; Tel. 089/ 21 79-1, www.deutsches-museum.de, Gruppen/Klassen: anmelden unter 089/ 21 79 411.<BR><BR></P>

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