Kleiner Hafen offen für das Neue

- Mit einem spektakulären Feuerwerk - eine 600 Meter lange Feuerschlange, die im Mythos den Fluss Lee geschaffen hat - und mit Straßenkarneval hat das irische Cork am Samstag seinen Start als "Kulturhauptstadt Europas 2005" hingelegt. 80 000 Menschen feierten. Etwa 180 Künstler unterhielten das Publikum. Sturm und Hochwasser hatten die Vorbereitungen für das Spektakel erschwert.

<P>Die kleine Hafenstadt in Südwesten Irlands will dabei die eigene Überzeugung in die Welt tragen, in Wahrheit die "heimliche Hauptstadt" der Grünen Insel zu sein. Cork, mit 123 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Irlands, hat ein Jahrzehnt der Erneuerung hinter sich. Erst vor kurzem erhielt das Zentrum ein neues Gesicht. Sein modernes Erscheinungsbild hat Cork vor allem der katalanischen Architektin Beth Gali zu verdanken. Sie lockerte das Straßenbild durch zahlreiche Plätze auf, ließ Bürgersteige mit abwechslungsreichen Mustern pflastern und schuf Straßenlampen, die wie Kräne in den Himmel ragen. Enge, von Verkehr verstopfte Straßen, bestimmen in Cork nicht mehr das urbane Bild.</P><P>Mehr als 4000 Veranstaltungen sollen dem Besucher geboten werden. Internationale Folklore, Chorgesang und Jazz gehören ebenso dazu wie Film und Literatur. Ein Schwerpunkt liegt auf der Lesung von Gedichten aus den zehn Ländern, die im Mai 2004 neu zur EU kamen. Neue Stücke, etwa John Gibsons Oper "Judith und Holofernes", fehlen ebenso wenig wie Sportveranstaltungen, ein Schachturnier und Kulturbeiträge von Schulen und ethnischen Gruppen. "Wir sind als Hafenstadt traditionell offen für Neues", so der Sprecher.</P><P>Bleibende Werte wurden geschaffen</P><P>Eigentlich soll die örtliche Szene im Vordergrund stehen, Cork bietet aber auch große Namen auf. So wird Stararchitekt Daniel Libeskind einen Vortrag halten, ein von ihm geschaffener Pavillon wird während des Sommers im Stadtpark aufgestellt. "Cork bekommt die einmalige Chance, seinen kulturellen Stellenwert auf der internationalen Bühne vorzuführen", sagt Mary McCarthy, Programmdirektorin für Cork 2005. Die Stadt werde damit gezwungen, nach vorne zu schauen. "Die Bestimmung als Kulturhauptstadt war der Auslöser für die Verjüngung der Stadt. Das Vermächtnis wird bleibend sein", sagt McCarthy.</P><P>Cork ist die bisher kleinste Stadt, die den 1985 von der EU geschaffenen Titel "Kulturhauptstadt Europas" trägt. Bologna, Antwerpen, Glasgow, Lille und Graz zählten zu den Vorgängern. Im Vergleich zu anderen Städten hatte Cork ein relativ bescheidenes Budget. Die Stadt muss mit 13,5 Millionen Euro auskommen, im Vergleich zu etwa 100 Millionen Euro, die 2008 der nordenglischen Hafenstadt Liverpool zur Verfügung stehen werden. Die Organisatoren hoffen, dass Stolz und Tradition der alten Hafenstadt, gemischt mit Offenheit, Gastfreundschaft und Überschaubarkeit, helfen werden, die zwölf Kulturmonate zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.<BR></P><P>Weitere Infos unter: www.cork2005.ie</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Hamlet ist Richter und Henker“
München - Gleich zum Auftakt des Jahres lassen es die Münchner Theater krachen. Wenige Tage nach „Macbeth“ am Residenztheater folgt in den Kammerspielen ein weiterer …
„Hamlet ist Richter und Henker“
Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
München - Wer das Wort „fantastisch“ im Namen führt und auszieht, sein Best-of unters Volk zu bringen, der hängt die Messlatte hoch. Die Fantastischen Vier erfüllen den …
Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
Im Reich von Mode und Magie
Zürich - Spätestens seit dem Terroristen-Epos „Carlos“ ist der französische Filmemacher Olivier Assayas auch deutschen Kinofans ein Begriff. Sein preisgekröntes Drama …
Im Reich von Mode und Magie
Mordmotor mit Unwucht
Andreas Kriegenburg inszenierte William Shakespeares „Macbeth“ fürs Münchner Residenztheater
Mordmotor mit Unwucht

Kommentare