Ein kleiner Ritterschlag - Celine Dion startete ihre Welttournee "Taking Chances" in Südafrika

München - Eigentlich mischen sich Nobelpreisträger eher selten ins Popgeschäft ein. Wenn also ein Nelson Mandela einlädt, in seiner Heimat aufzutreten - was soll man da sagen außer "Ja"? Celine Dion hat nicht nur Ja gesagt, sie hat Mandela vor zwei Jahren sogar versprochen, ihre nächste Welttournee in Südafrika zu beginnen.

Dass der Star jetzt Wort gehalten hat und dort mit über 300 000 Tickets in den Verkauf ging, ist eine relativ große Sache für das Land, ein kleiner internationaler Ritterschlag. Man spielt mit, spielt eine Rolle in der globalen Liga, heißt das - die Fußball-WM 2010 ist also kein reiner Einzelfall.

"Sie besuchen das Celine Dion-Konzert? Toll! Ich wünschte, ich könnte mir das auch leisten", sagt schon der Zollbeamte bei der Einreise. Und der Fahrer des Shuttle-Busses ins Hotel gibt sich nicht minder begeistert. Die Bemerkung des Beamten lässt aber auch die Zwiespältigkeit ahnen, die abends auf der großzügigen Wiese des Vergelegen Estate rund 40 Kilometer außerhalb Kapstadts augenfällig wird: Mindestens 95 Prozent des Publikums sind weiß. Die Grenzen verlaufen beim kulturellen Geschmack wie bei den Einkommensverhältnissen noch immer nach Hautfarbe.

Hoffnung und Krise liegen hier stets eng beieinander: Die Open-Air-Kulisse, inmitten von Weinbergen und Schluchtengebirge, ist atemberaubend, die Menschen sind warm, herzlich, bestens gelaunt. Aber am ersten Abend unterschätzt der Veranstalter den Ansturm: vier Stunden Stau auf der einzigen Zufahrtsstraße zu dem idyllischen Weingut, enttäuschte Fans, Schuldzuweisungen zwischen Organisatoren und Polizei.

Erst am zweiten Abend, den wir besuchen, läuft alles etwas entspannter. Und der Empfang für Celine Dion ist gewaltig. Sie genießt das sichtlich, denn wie für Südafrika jedes derartige Großereignis ein Mini-Testlauf für die WM ist, so bedeutet dieser Auftakt für sie auch etwas ganz Besonderes.

Neun Termine hat Celine Dion in Südafrika. 1999 endete ihre letzte Welttournee. Seither war sie nur im Studio aktiv, nahm sich eine Auszeit fürs Private - und bespielte vier Jahre lang exklusiv fünf Abende die Woche einen eigens gebauten Dom in einem Casino in Las Vegas. Nun muss und will sie sich wieder im Pop-Alltag beweisen, in einer Welt, die ihre letzten Platten nicht mehr so selbstverständlich an die Chartspitze brausen ließ wie früher.

Im Live-Neuland Südafrika ist für Dion erst mal noch alles beim Alten: Das Eis ist schon mit dem ersten Song gebrochen, und bis zum "Titanic"-Abgesang als unvermeidlicher Zugabe gibt es Begeisterungs-Ausschläge stets nur nach oben.

Dion geht bei der "Taking Chances"-Tour aber auch auf Nummer Sicher. Die Regie hat sie Jamie King anvertraut, der schon mehrfach für Madonna Shows inszenierte. Er sorgt für ein optisches Begleitprogramm, bei dem Tanz-Ensembles und Videoeinspielungen vor allem die zahlreichen Kostümwechsel Dions überbrücken, ansonsten aber nie von der Hauptsache ablenken: ihrer Stimme.

Keiner ihrer großen Hits wird ausgelassen. Doch noch wichtiger als der Wiedererkennungswert sind die emotionalen Bögen der Nummern. Und da peitscht sie zuverlässig jede Übergröße der Liebe, jede Unfassbarkeit des einsamen Schmerzes auf den sängerischen Höhepunkt zu. Eine melodiöse Katharsis jagt die nächste. Am Ende entlässt Celine Dion die Kapstädter glücklich und geläutert in die Sommernacht. Und in die zwei Stunden Stau den Weinberg hinab.

Münchner Konzert:

22. Juni, 19.30 Uhr, Olympiastadion. Karten an den bekannten VVK-Stellen und unter www.eventim.de

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Peter Konwitschny inszeniert Straus: Mit den Waffen der Operette
Wie andere könnte man sich über die Operette lustig machen. Oder man nimmt den „Tapferen Soldaten“ so ernst wie Peter Konwitschny bei seinem späten Debüt am …
Peter Konwitschny inszeniert Straus: Mit den Waffen der Operette
Waka waka: Shakira bringt die Olyhalle zum Ausflippen
Popstar Shakira hat am Sonntagabend in der ausverkauften Olympiahalle die Massen zum Ausflippen gebracht. Die Kritik:
Waka waka: Shakira bringt die Olyhalle zum Ausflippen
Andreas Gabalier im Olystadion: Volks-Rock-Party vor vollem Haus
Er hat es wieder getan: Andreas Gabalier hat zum dritten Mal in Folge das ausverkaufte Olympiastadion gerockt. Lesen Sie hier unsere Konzertkritik vom Samstagabend.
Andreas Gabalier im Olystadion: Volks-Rock-Party vor vollem Haus
Tiefe Trauer um den „Guttei“
Nicht nur in der Gemeinde Neubeuern sitzt der Schock tief: Der Chorleiter und begeisterte Dirigent Enoch zu Guttenberg ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Lesen Sie …
Tiefe Trauer um den „Guttei“

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.