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Richard Strauss – in Garmisch-Partenkirchen daheim: Am 5. September startet die Veranstaltungsreihe „Richard Strauss im Europäischen Kontext“.

Kleines Team – große Leistung

Garmisch-Partenkirchen - In Garmisch-Partenkirchen wird jetzt an den 60. Todestag des großen Sohnes des Ortes, Richard Strauss, erinnert; außerdem feiert das Richard-Strauss-Institut sein zehnjähriges Bestehen.

Auf der einen Seite beherrscht das Wettersteingebirge die Szenerie, auf der anderen ragt der Wank ins Bild: Dass gewaltige Klänge beim Betreten eines Komponisten-Museums in einem aufsteigen, macht dieses Haus schon einzigartig. Natürlich die „Alpensinfonie“. Jene überbordende Huldigung, die Richard Strauss an seine geliebte Bergwelt schrieb. Mittendrin im Garmisch-Partenkirchener Talkessel liegt es also, das Richard-Strauss-Institut. Untergebracht ist es in der ehemaligen, 1893 erbauten Villa des Mannheimer Zigarettenfabrikanten Ludwig Mayer-Doß. Und doch ist es noch ein angehender Teenie: In diesem Jahr feiert das Institut zehnjähriges Bestehen.

In sympathischer, bescheidener Atmosphäre wird dort ausgestellt und gearbeitet. Typisch also, dass beim Feiern nicht über die Stränge geschlagen, sondern ein kleiner Konzertzyklus mit einer international besetzten Fachtagung gekoppelt wird. Anlass ist noch ein weiterer Gedenktag: Vor genau 60 Jahren starb Richard Strauss in Garmisch-Partenkirchen.

Begonnen hat alles an der Partenkirchener Schnitzschulstraße mit halbjährlich wechselnden Ausstellungen. Ein Prinzip, das man inzwischen aufgegeben hat: Die ständige Schau über den Tonschöpfer und Dirigenten wird nun immer wieder abgeändert und ergänzt. Darüber hinaus versteht man sich auch als Anlaufstelle für Strauss-Experten aus aller Welt. „Wir können Forschungsarbeit mehr unterstützen als selbst machen“, sagt Jürgen May vom Strauss-Institut.

Auch deshalb, weil die (finanzielle) Ausstattung eher sparsam geblieben ist. Neben May gibt es dort noch Institutschef Christian Wolf, Christine Hofmann als weitere Mitarbeiterin und eine Sekretärin mit Dreiviertelstelle. Die Marktgemeinde kommt für Gebäudeunterhalt und Personalkosten auf, die übrigen Kosten teilt sie sich mit dem Freistaat.

Erstaunlich, was das kleine Team alles schultert. Denn zusätzlich agiert das Institut noch als Veranstalter. Übers Jahr gibt es vorrangig Kammermusik, 2008 übernahm es dann die Organisation des Richard-Strauss-Festivals. „Das war vielleicht der größte Umbruch in der Institutsgeschichte“, meint May. Zumal sein Arbeitgeber nun zur allgemeinen Anlaufstelle für klassische Musik in der Marktgemeinde geworden ist. „Wir könnten also schon noch jemanden gebrauchen.“

Was May aber an dieser Organisation schätzt: Als Forscher verliere man nicht die Verbindung zur Praxis. Und herauszufinden ist noch einiges, auch bei Richard Strauss gibt es noch „weiße Flecken“. Gelegentlich tauchen kurze Klavierstücke auf. Ende 2008 genehmigte die Deutsche Forschungsgemeinschaft zudem einen Antrag, der auf die Erstellung eines kompletten Quellenverzeichnisses zielt – „eines der wichtigsten Vorhaben der Grundlagenforschung“ (May). Und die Digitalisierung aller Strauss-Skizzenbücher steht kurz vor dem Abschluss. Amerikanische oder japanische Spezialisten, die wissen wollen, unter welchen Geburtswehen Strauss-Werke entstanden sind, müssen sich also nicht mehr nach Garmisch-Partenkirchen bemühen: Sie kaufen einfach eine CD-Rom.

Naturgemäß passiert vieles in enger Absprache mit den Strauss-Nachkommen. „Wir bekommen derart spezielle Anfragen – wenn wir da keinen guten Kontakt zur Familie hätten, könnten wir nicht arbeiten“, sagt Jürgen May. Zurzeit konzentriert sich jedoch alles aufs Doppel-Jubiläum und die Veranstaltungsreihe „Richard Strauss im Europäischen Kontext“. Die startet am 5. September mit dem Eröffnungsvortrag des Würzburger Professors Ulrich Konrad und dem Konzert des BR-Symphonieorchesters unter der Leitung von David Zinman (Kongresshaus). Die Fachtagung beginnt am 6. September. Drei weitere Konzerte und ein Festakt runden das Programm ab.

Dass nun mancher fordert, Garmisch-Partenkirchen müsse sich à la Bayreuth noch mehr mit „seinem“ Komponisten brüsten, stößt im Institut eher auf Verwunderung. „Viel mehr als ein Gastspiel der Wiener Staatsoper wie heuer beim Festival geht nicht“, betont May und verweist auf die finanzielle Ausstattung – und die nicht unbegrenzt herbeiströmenden Musikfans. „Gebt uns nur die Hälfte des Salzburger Etats, dann kann man schon über ein Gastspiel der New Yorker Philharmoniker auf dem Zugspitzplatt nachdenken.“

Informationen und Karten: Tel. 08821/ 730 19 95, www. richard-strauss-institut.de.

Markus Thiel

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