Klimbim statt Emotion

- Viele Köche verderben den Brei. Die Erkenntnis ist nicht neu. Doch vielleicht hätte man sich vor der Verleihung des Europäischen Filmpreises noch einmal überlegen sollen, ob es eine so gute Idee war, das Kochen zum Leitmotiv des Abends zu wählen und die Moderatoren und Gastgeber, darunter Wim Wenders als Präsident der Europäischen Filmakademie und Berlinale-Chef Dieter Kosslick, als Köche auftreten zu lassen. Wo doch mit dem "Europudding" schon ein anderer kulinarischer Begriff zum Synonym des geschmacklosen Einerleis geworden ist, das herauskommt, wenn zu viele Förderer, Sender und Produktionsfirmen mitmischen.

Auch die 17. Verleihung dieser "europäischen Oscars", diesmal in der Berlin Arena am Treptower Park, war solch ein unausgegorenes und fades Mischmasch. Dabei hatte man am selben Ort vor erst zwei Jahren die bisher schönste Preisverleihung erlebt. Und wie 2003 führte auch diesmal Schauspieler Heino Ferch routiniert und in drei Sprachen eloquent durch den Abend. Damals hatte Wim Wenders Regie geführt und gekonnt Entertainment mit Rührung - unvergessen Isabelle Hupperts Hommage an Claude Chabrol - kombiniert. Diesmal aber wurde Dokumentarfilmer Pepe Danquart engagiert, der sich vor allem mit dem Timing der Show überfordert zeigte: Klimbim verdrängte Emotion.

Die Veranstaltung hat wohl dem Kino mehr geschadet als genutzt. Denn sie zeigte Europas Filme genau so, wie sie eigentlich nicht sind: langatmig, umständlich, verwirrt, gewollt witzig und in gewissen Momenten ein bisschen doof. Als zwischendurch dann auch noch eine Preisstatue fehlte, eine zweite falsch vergeben wurde, war es sogar richtig peinlich.

Zu viele Witze und Reden übers Essen

Dabei waren die von den 1600 Akademiemitgliedern nominierten Werke von ausgesuchter Qualität, voller Vielfalt und filmischem Reichtum. Am stärksten trifft das auf den verdienten, großen Sieger des Abends zu: Michael Hanekes glänzendes Paranoia-Kammerspiel "Caché´", das gleich fünf Preise erhielt, darunter die wichtigsten für den "Besten Europäischen Film", die "Beste Regie", den "Besten Hauptdarsteller" (Daniel Auteuil) und den "FIPRESCI-Preis der europäischen Filmkritik". Und der Österreicher Haneke sorgte mit Wiener Schmäh auch für ein wenig Glanz - und für souveräne Distanz zur Selbstfeier des Betriebs: "Ich weiß jetzt gar nicht, was ich sagen soll, denn ich bin ja neunmal nominiert - da hätte ich ja neun Reden vorbereiten müssen."

Zweite Siegerin des Abends war Julia Jentsch, die ihre künstlerische Heimat unter anderem an den Münchner Kammerspielen hat. Nach dem Bären auf der Berlinale, dem deutschen Filmpreis und anderen Ehrungen für ihre Rolle der Widerstandskämpferin Sophie Scholl kommen nun noch zwei Europäische Filmpreise ("Beste Darstellerin" und der "Publikumspreis") in den Trophäenschrank. "Ich empfinde das als große Anerkennung", bedankte sich die 27-Jährige artig in fließendem Englisch.

Freuen konnte sich auch Wim Wenders, dessen Kameramann Franz Lustig für seine schön fotografierten Bilder in "Don't come knocking" den Kamerapreis gewann. Eine Ehrung hätte man auch Dany Levys "Alles auf Zucker!" gewünscht, der nur zweimal nominiert war. Hauptdarsteller Henry Hübchen zog gegen Auteuil den Kürzeren. Als bester nichteuropäischer Film wurde George Clooneys Politthriller "Good Night, And Good Luck" prämiert, einen Preis für sein Lebenswerk erhielt Sean Connery.

Doch auch Hanna Schygulla konnte mit Liedern aus - einmal mehr - Fassbinder-Filmen die Show nicht mehr retten. Nach so vielen Witzen und Reden übers Essen wollten die 1200 Gäste um halb zwölf nur noch eines: zum warmen Buffet.

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