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Schauspielerin Helen Mirren

Interview zum Film

Klimt mit Kaugummi: Interview mit Helen Mirren

München - Helen Mirren spricht im Interview über ihre Rolle in „Die Frau in Gold“, schmerzhafte Verluste in der Familie und egoistische Kerle.

Schon als 19-Jährige wurde Helen Mirren in die berühmte Royal Shakespeare Company aufgenommen, 2007 gewann sie für ihre Darstellung der britischen Königin Elizabeth II. im Kinofilm „Die Queen“ den Oscar. Ab Donnerstag ist die 69-jährige Charakterdarstellerin im Drama „Die Frau in Gold“ zu sehen. Es erzählt die wahre Geschichte der Wiener  Jüdin Maria Altmann, die vor den Nazis in die USA flüchten muss und Jahrzehnte später um ihr Erbe kämpft.

Wie vertraut waren Ihnen Wien und Gustav Klimt?

Wien kannte ich kaum; ich war bloß einmal einen Tag lang dort – da hatte ich gerade genug Zeit für ein Stück Original-Sachertorte. Klimt war mir natürlich ein Begriff: Zu meiner  Studienzeit  war er bei uns schwer in Mode. Als junges Mädchen habe ich immer ein großes Gustav-Klimt-Poster mit Kaugummi an die Wand über mein Bett geklebt, um meine schäbige Studentenbude optisch etwas aufzumotzen.

Würden Sie gern einen echten Klimt besitzen?

Na klar – so ein kleiner Klimt, das wär’ schon was! Ich glaube, ich würde das Bild über meine Badewanne hängen, damit nur ich es anschauen könnte. (Lacht.)

Kannten Sie die Geschichte von Maria Altmann?

Nein, von ihrem Prozess habe ich seltsamerweise damals nichts mitbekommen. Wahrscheinlich habe ich wieder einmal zu viel gearbeitet. Aber ich konnte mich gut in ihr Schicksal hineinfühlen: Auch meine russischen Vorfahren wurden enteignet und mussten sich nach der Revolution in einer neuen Heimat zurechtfinden. Mein Großvater hat dadurch sein ganzes Hab und Gut verloren, darunter eine rund 500 Jahre alte Ikone.

Wäre das nicht auch ein interessanter Filmstoff?

Mag sein. Doch in meiner Familie wurde nie über diese schrecklichen Ereignisse gesprochen. Die Vergangenheit war für alle Beteiligten offenbar so unerträglich, dass sie nichts anderes tun konnten, als in der Gegenwart zu leben und nach vorn zu blicken.

Maria Altmann begegnet der Situation im Film mit erfrischendem Humor.

Ja, ich bewundere den trockenen Witz dieser Frau. Und es hat mir sehr geholfen, dass Ryan Reynolds mein Partner vor der Kamera war, denn er ist ein geborener Komiker.

Ryan hat mir vorhin gesagt, Sie seien ein heißer Feger, und er habe sich am Set in Sie verknallt.

Ja, das muss er sagen, denn sonst wäre ich sehr böse auf ihn. (Lacht.)

Haben Sie sich auch in ihn verknallt?

Na ja, er ist natürlich ein attraktiver Kerl, charmant und sehr witzig. Vor allem aber ist er ein liebenswürdiger Mensch – offen und extrem großzügig, was für einen Mann alles andere als selbstverständlich ist. Manche meiner männlichen Darsteller-Kollegen sind in ihrer eigenen Ego-Welt gefangen: Sie haben offensichtlich nicht gelernt, uneigennützig zu geben.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Nun, das Filmbusiness ist leider immer noch sehr sexistisch. Und, mit Verlaub, bei vielen Männern scheint Großzügigkeit keine angeborene Eigenschaft zu sein. Wie die schon breitbeinig in der U-Bahn sitzen, ohne die Privatsphäre ihres Sitznachbarn zu respektieren – so etwas würde mir nie einfallen! Verzeihen Sie mir, das ist natürlich eine furchtbare Verallgemeinerung, ich weiß. Und ich sehe schon die Überschrift: „Helen Mirren findet Männer kleinlich!“ Schreiben Sie das bloß nicht – sonst bin ich sehr böse auf Sie! (Lacht.)

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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