Des Knaben früher Witz

- Als "Mozart 16" - fünf Opern der Salzburger Jubiläumspackung sind schon abgearbeitet - hatte am Dienstag die erste Opera buffa des 12-Jährigen im Hof der Salzburger Residenz Premiere: "La finta semplice" (Die verstellte Einfalt), mit der Choreograph und Regisseur Joachim Schlömer seine Trilogie "Irrfahrten" eröffnete.

"La finta semplice", 1768 entstanden, stellt auch überzeugte Mozart-Verehrer auf die Probe, vor allem, wenn die Szenerie sich wie ein Bleigewicht an die Leichtigkeit des Seins dieser galanten Liebeskomödie (nach Goldoni) hängt. Schlömer assoziierte ein weißes Blatt Papier, dachte an Oregami und ließ sich von Jens Kilian ein bühnenfüllendes "Blatt" zu einer Art "Himmel und Hölle" falten. Einer trotz aller Helligkeit plump wirkenden Bühnenkonstruktion, die die Protagonisten auf fatale Schrägen zwingt und ihnen nur eine kleine Spielfläche zugesteht. Darauf arrangiert Schlömer das buffoneske Spiel schwankend zwischen choreographierter Stilisierung und gespreizter Lockerheit. Ein androgyner Spielmacher (Marianne Hamre) stellt die Kandidaten wie in einer TV-Hochzeits-Show vor und hält die Zuschauer auf dem Laufenden, da die Rezitative auf ein Minimum gestrichen sind.

Schlömers "La finta semplice" fehlt jeder lockere, improvisatorische Charme, obwohl sich Michael Hofstetter und die Camerata Salzburg alle Mühe geben, flexibel und oft geschwinden Schrittes der noch arg konventionellen Machart des kindlichen Erstversuchs zu entrinnen.

Der kleine Amadeus, der hier zwar nicht gefährliche, aber doch verwirrende, noch nicht erfahrene Liebschaften vertonte, wollte (sollte) zunächst einmal beweisen, dass er mit der Opera buffa umgehen, neben hübschen Arien auch kleine Ensembles geschickt instrumentieren kann. Das alles gelang ihm offenbar leicht und noch ein bisschen mehr.

Es gibt schon Momente, die aufhorchen lassen, in denen sich mehr ankündigt als die Konvention hergibt: In den beiden Arien (eine mit feinem Oboen-Echo) der Rosina "übt" der Knabe schon den Seelen-Ton seiner späteren Frauen ("Figaro"-Gräfin). Malin Hartelius trifft ihn mit schwebend leichter Höhe, geschmeidigen Verzierungen und dezent ausgeleuchteten Piani. Mozarts frühen Witz verrät Don Cassandro (mit agilem Bass: Josef Wagner), in dessen "Hunde-Nummer" das Orchester bellt und winselt.

Auch das übrige, junge Ensemble fühlt sich beim frühen Mozart hörbar wohl. Mehr jedenfalls als der angestrengte Regisseur.

"Irrfahrten" I, II, III - bis 15. 8.; Infos: 0043/ 662/ 80 45 500; www.salzburgfestival.at

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