Knatternde Blech-Attacken

- Auf den Spuren eines jungen Wilden wandelten Daniele Gatti und sein Londoner Royal Philharmonic Orchestra, als sie im Münchner Gasteig Beethovens zweite Symphonie interpretierten. Fernab von amerikanischer Präzision und Trennschärfe nahmen die Briten und ihr italienischer Maestro kleine Unsauberkeiten (nicht nur im Blech) in Kauf, um nach beinahe quälendem Suchen in der Introduktion Beethovens heftigem, hochfahrendem, aufbegehrendem Temperament gerecht zu werden.

<P>Gerade die Geigen scheuten sich nicht, das Wilde mit rhythmischer Vehemenz herauszustreichen und dem Holz den lyrischeren Part zu überlassen. Während Gatti in den Ecksätzen die schroffen dynamischen Wechsel auskostete, zeichnete er im Larghetto feine Linien und sorgte so für Klarheit bis in die kleinsten harmonischen Wendungen. Im Scherzo demonstrierten die Londoner temperamentvoll Beethovens virtuos-spielerischen Umgang mit dem Handwerk.<BR><BR>Nach dieser rhythmischen Vorübung gelang Strawinskys virtuose Orchestersuite aus dem Ballett "Jeu des cartes" mitreißend: In den knatternden Blech-Attacken ebenso wie in den witzigen Holzbläser-Keckheiten, in den leichtfüßigen Walzerschlenkern wie in den Rossini-Spritzern. </P><P>Bei Schumanns abschließender dritter Symphonie packten Gatti und das Royal Philharmonic Orchestra dann so deftig zu, dass die "Rheinische" vor allem in den Ecksätzen ziemlich krachert, stellenweise lärmend daherkam und in den Binnensätzen an Spannung verlor. Das Publikum (in der schlecht besuchten Philharmonie) ließ sich vom temperamentvollen Schwung Gattis mitreißen und applaudierte heftig.<BR></P>

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