Da knicken die Künstler schon ein

- Immer weniger Menschen leisten sich Karten für Klassik-Konzerte: Auch Münchens Konzertveranstalter leiden unter dieser nicht nur wirtschaftlich bedingten Krise (wir berichteten). Geklagt wird über die Künstler-Honorare und, was die Philharmonie betrifft, über zu hohe Saalmieten. Brigitte von Welser, Geschäftsführerin der Gasteig-GmbH, weist diesen Vorwurf zurück.

<P>Teilen Sie die pessimistische Einschätzung mancher Veranstalter, dass in der Philharmonie bald kaum mehr Klassik aufgeführt wird?<BR><BR>von Welser: Ich weiß gar nicht, ob das so pessimistisch ist. Zum Teil sind die Privatveranstalter selbst an der Entwicklung schuld, schließlich haben sie ihr Angebot ausgeweitet. Außerdem achtet das Münchner Publikum sehr auf Qualität, gerade bei der Klassik. Da ist ein B-Orchester aus irgendeiner Provinzstadt nicht zu verkaufen.<BR><BR>Immer wieder werden die Saalmieten des Gasteig kritisiert.<BR><BR>von Welser: Alles Vorurteile. Der Gasteig liegt absolut im Durchschnitt. Mir scheint, dass die Stoßrichtung der Veranstalter Richtung Kulturreferat verläuft, von dem sie sich finanzielles Entgegenkommen erhoffen. Die Berliner Philharmonie oder der Wiener Musikvereinssaal zum Beispiel sind wesentlich teurer. Wir wissen, dass die hiesigen Saalmieten unter zehn Prozent der Gesamtkosten für ein Konzert liegen.</P><P>Wie viel muss man denn für einen Abend zahlen?<BR><BR>von Welser: Der Normalpreis liegt bei 8000 Euro plus technische oder sonstige Nebenkosten. Aber viele Veranstalter sind Großkunden von uns und bekommen Rabatte.<BR><BR>Gehen die Auslastungszahlen zurück?<BR><BR>von Welser: Die Zahl der Konzerte geht ein bisschen zurück. Wir müssen das beobachten. Und was die Besucherzahl betrifft: Da scheinen die Künstler wie auch die Veranstalter ihr Heil darin zu suchen, absolute Wahnsinnspreise zu verlangen.</P><P>Werden die Eintrittspreise angesichts dieser Krise wieder fallen?<BR><BR>von Welser: Ich glaube schon. Wenn zum Beispiel kleinere Städte das Gastspiel eines großen Orchesters nicht mehr zahlen können und aus dem Tourneeprogramm fallen, werden sich diese Ensembles auf bestimmte Musikzentren konzentrieren. München ist dabei ein Muss. Wenn die Veranstalter dann etwas zäher verhandeln, knicken die Künstler schon ein.<BR><BR>Ist die Philharmonie überhaupt für "Unterhaltung" ausgerichtet?<BR><BR>von Welser: Ja und nein. Ottfried Fischer könnte unseren großen Saal mühelos füllen, doch für Kabarett wäre der total ungeeignet. Wir haben nach ähnlichen Veranstaltungen schon Beschwerden bekommen. Trotzdem wollen wir unser Angebot breit halten. Der Gasteig sollte in seiner Gesamtheit jede Zielgruppe ansprechen, so war er auch ursprünglich konzipiert. Ich räume ein, dass die Planung einer Philharmonie mit 2400 Plätzen aus akustischen und wirtschaftlichen Gründen nicht optimal war.<BR><BR>Steht der Klassiksektor vor strukturellen Umwälzungen oder erholt er sich wieder?<BR><BR>von Welser: Letzteres hoffe ich sehr. Wir müssen uns den Kopf darüber zerbrechen, wie wir das nachwachsende Publikum ansprechen. Schauen Sie sich doch Bilder oder Filme von früher an: Die grau behaarten Köpfe im Konzertsaal waren schon immer in der Mehrheit. Aber diese Menschen haben doch aus irgendeinem Grund einmal begonnen, sich für Musik zu interessieren. Jugendarbeit ist daher immens wichtig, was etwa die Münchner Philharmoniker schon erkannt haben. Und wir veranstalten am 4. März den Aktionstag "Der Gasteig brummt", an dem wir mehr bieten als nur Konzerte.<BR><BR>Was heißt eigentlich für Sie Unterhaltung? Darf im Gasteig alles stattfinden?<BR><BR>von Welser: Das finde ich nicht, man muss nicht jeden Blödsinn mitmachen, etwa die Dschungelstars hier einlaufen lassen. Wir müssen uns genau über unsere Zielgruppen Gedanken machen: Wer ist das? Wann haben die Zeit? Für wie lange? Welche Umgebung, etwa was Gastronomie betrifft, wollen sie? Mischveranstaltungen wie "Puccini e Pasta" passen ins Konzept und haben Erfolg. Der Aspekt der Qualität wird bei uns intern gerade intensiv diskutiert. Was manchmal in der Philharmonie während der Weihnachtszeit läuft . . . Das rentiert sich wirtschaftlich, weil die Mitwirkenden kaum Gage kriegen und dadurch die Preise familienfreundlich sind. Aber im Grunde sind das Schüleraufführungen, das ist für unser Haus auch peinlich.</P><P>Das Gespräch führte Markus Thiel<BR></P>

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