König und Sänger

- "Michelangelo und die Folgen" nennt sich augenzwinkernd die Ausstellung über "David-Abbildungen in der Kunst" im Oberammergau Museum. Im obersten Geschoss ergänzt Kuratorin Eva Melzer-Hollederer kunsthistorisch die "König David"-Aufführungen im Passionstheater. Knapp und klug werden die biblischen Geschichten nacherzählt, berühmte Kunst-Monumente - eben von Michelangelo - referiert und die Themen um David erklärt. Selbst Illustrationen zu den "Kreuzesschulen" (s. nebenstehenden Artikel) werden gezeigt.

David, der Sänger und Tänzer; David, der furchtlose Kämpfer; David, der Frauenheld; David, den Jahwe liebt und straft. Schön ist die fröhlich-mutige Mischung aus frühen Werken und modernen Sichtweisen. Elisabeth Endres zum Beispiel staucht in "Waldsterben" Michelangelos Muskelmann zusammen, trennt Stücke aus seinem Leib. An seinem Finger baumelt nur mehr der Stummel eines Distelstängels: Kultur und Natur gestutzt. Die Alten hingegen sahen David als Helden und Künstler. Hinreißend, wie das Rokoko dem weißbärtigen David auf die Tanz-Sprünge hilft - auf einem Hinterglasbild eines anonymen Malers.

Natürlich inspirierte die Goliath-Episode Maler, Grafiker und Bildhauer. Während Michelangelo nur den lässigen, etwas mürrischen Sieger ohne den Widersacher zeigt, genossen die meisten Künstler den Grusel um Goliaths abgeschlagenen Kopf. Beeindruckend im Kontrast dazu Marc Chagall, der einen melancholischen David mit Leier schildert, der - wunderschön - Bathseba mit David zu einem Antlitz verschmelzen lässt. Die Beziehung Saul-David analysiert Otto Dix, und Albrecht Dürer interessiert sich für den Büßer David.

Die Schau: ein gelungener Dialog von bildender Kunst und Theater.

Bis 28. August, Di.-So. 10-17 Uhr, Oberammergau Museum, Dorfstraße 8, Tel. 088 22/941 36, www.oberammergaumuseum.de  .

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