König der Stille

- Wo anfangen? Es sind ja so viele wunderkomische Szenen, die Anette Spola jetzt zum 35. Geburtstag ihres Theaters am Sozialamt (TamS) auf die legendäre Schwabinger Bühne gezaubert hat. Eine Bühne, winzig zwar, aber doch großes Experimentierfeld und Sprungbrett für unter anderem Urs Widmer, Otto Grünmandl, Gerhard Polt, Ruedi Häusermann und Bühnenbildner Eberhard Kürn. Dass es zu diesem wichtigen Jubiläum eine Hommage an ihren Bühnen- und Lebenspartner Philip Arp (1929-'87) geben musste, war allen TamS-Habitué´s klar: "Hiermit gebe ich nichts bekannt", eine Collage aus Arp-Texten (komplett unter gleichem Titel 1988 bei Hugendubel), die uns diesen Autor-Schauspieler als einen echten Enkel von Karl Valentin in Erinnerung rufen.

Auch Arp ein komischer Querdenker. Ein Philosoph des Absurden. Ein Theatererfinder des Antikonventionellen, des improvisiert Unvollendeten. Und so platziert Spola die 25 Szenen nicht auf, sondern hinter die Bühne, auf einen nüchtern gesichtslosen Theater-Flur (Claudia Karpfinger), wo mit Uralt-Instrumenten schräg daneben geprobt wird, Menschen im Schwalbenschwanz merkwürdig mäandernde Vorträge über "Zeit und Baum" halten oder, zwecks Entfernung eines Krabbenteilchens, dringend einen Zahnstocher brauchen - der von hämisch-weiblicher Seite mit schlüpfrigem "Stechen" aufgeladen wird. Es ist Arps schräges Spiel mit der Sprache, das aufs Einfachste die Welt einfängt: sein hinreißend hirnrissiges Hin- und Herwenden und Fortspinnen, bis das Verrückte wieder in pragmatischer Normalität angekommen ist - und doch keine Fragen beantwortet werden. Sie: "Wo gehn S'n hin, Herr Zahn?" Er: "Das wern S' doch wissen, Frau Fendl, wenn S' mitgehn. Sonst kommen S' ja wohin, wo S' gar nicht hinkommen wollen."

Aber bei all seiner Sprachtanzerei, bis hinauf zum "Gipfel", dem zünftig bergsteigerischen Finale, war Arp mit Gerhard Polts Worten "der König der Stille". Und auch diesen Arp erlebt man in den sich Zeit lassenden Momenten beredter Blicke und Gesten bei Spola - natürlich als vergeblicher Dirigent -, bei Maria Peschek, viel weniger laut und überdreht als sonst, dem hintergründigen Humor von Gerd Bumeder, bei Helmut Dauner, Urte Gudian, Christiane Mudra, Barbara Altmann und Ardhi Engel, der neben seinem musikalischen Anteil auch als leiser Komiker gute Figur macht.

Karten: 089/ 34 58 90.

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