Von Königen und Western-Helden

München - Am Dienstag wurden in Los Angeles die Oscar-Nominierungen bekanntgegeben. Es konkurriert eine bestechende Bandbreite von Produktionen um die Trophäe als bester Film. Favorit bei der 83. Verleihung des wichtigsten Filmpreises der Welt ist das Drama „The King’s Speech“, das zwölf Mal nominiert wurde.

Es sei der einzige Tag, an dem Hollywood noch vor Morgengrauen aufstehe, spöttelte James Franco wenige Minuten vor der Bekanntgabe der diesjährigen Oscar-Nominierungen. Der Schauspieler, der am 27. Februar gemeinsam mit seiner Kollegin Anne Hathaway die Verleihung des wichtigsten Filmpreises der Welt moderieren wird, hatte gestern gut lachen: Er war lediglich Zuschauer, als in Los Angeles kurz nach 5.30 Uhr in der Früh (Ortszeit) mitgeteilt wurde, wer für die Oscars nominiert ist. Tom Sherak, Chef von Hollywoods Filmakademie, und die Schauspielerin Mo’Nique, die 2009 für ihre Rolle in „Precious“ einen Oscar als beste Nebendarstellerin gewann, gaben die nominierten Filmschaffenden und Produktionen bekannt, die sich nun Hoffnung auf eine Trophäe machen dürfen (siehe Überblick rechts).

Dabei fällt die große inhaltliche und stilistische Bandbreite der Produktionen auf, die für die wichtige Kategorie „Bester Film“ nominiert sind. Das zeugt von einem starken Film-Jahrgang, der zudem sein Publikum gefunden hat.

Das Historiendrama „The King’s Speech“ (deutscher Kinostart: 17. Februar) ist ebenso als „bester Film“ nominiert wie das Animationsabenteuer „Toy Story 3“ (das ist erst der dritte Trickfilm überhaupt, der in dieser Kategorie nominiert wurde), der Psychothriller „Black Swan“, das emotionale Familiendrama „The Kids Are All Right“, der Traum-Thriller „Inception“ oder „True Grit“ (deutscher Kinostart: 24. Februar).

Dieses Western-Remake der Brüder Ethan und Joel Coen hat in insgesamt zehn Kategorien Chancen. So durfte sich gestern etwa auch Hauptdarsteller Jeff Bridges freuen, der mit seiner Rolle als Marshall Rooster Cogburn bester Schauspieler werden könnte. In „Der Marshall“, jenem Film aus dem Jahr 1969, auf dem „True Grit“ basiert, spielte übrigens John Wayne die Hauptrolle - und gewann damals die Trophäe. Auch Colin Firth, der in „The King’s Speech“ als der an Sprachproblemen leidende englische König George VI. zu sehen ist, wurde als bester Schauspieler nominiert. Insgesamt hat Tom Hoopers Film Oscar-Chancen in zwölf Kategorien - und geht damit als Favorit ins Rennen.

Im Vorfeld der Bekanntgabe war noch spekuliert worden, dass sich „The King’s Speech“ ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit „The Social Network“ liefern könnte. David Finchers Film über Mark Zuckerberg, Gründer der Internet-Plattform Facebook, hatte vor wenigen Tagen bei den Golden Globes in den wichtigsten Kategorien gewonnen (wir berichteten). Diese gelten seit jeher als Indikator für die Oscars. Letztlich konnte der Film gestern jedoch nur acht Nominierungen verbuchen - ebenso viele wie Christopher Nolans „Inception“.

Die Musik zu diesem Thriller, in dem es um die Möglichkeit geht, die Träume anderer Menschen zu betreten, komponierte Hans Zimmer. Der 53-jährige gebürtige Frankfurter wurde dafür in der Kategorie „Beste Filmmusik“ nominiert. Es ist Zimmers neunte Oscar-Chance - für seine Musik zu dem Zeichentrickfilm „Der König der Löwen“ hatte er im Jahr 1995 die Trophäe zum bisher einzigen Mal gewonnen. Komponist Zimmer ist in diesem Jahr eine deutsche Oscar-Hoffnung, nachdem es Feo Aladas „Die Fremde“ nicht in die Endrunde als „bester nicht-englischsprachiger Film“ geschafft hat. Doch außerdem dürfen seit gestern auch Max Lang und Jakob Schuh vom wichtigsten Filmpreis der Welt träumen: Für „Der Grüffelo“ wurden die beiden deutschen Regisseure in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ nominiert.

Und noch eine gute Nachricht für alle Oscar-Anwärter - und natürlich auch für die Gastgeber James Franco und Anne Hathaway: Die Gala im Kodak Theatre findet am 27. Februar nicht im Morgengrauen, sondern am Abend zur besten Sendezeit statt.

Michael Schleicher

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