Königin der leichten Muse

- Wien - Mit Charme und Temperament hat sie sich die Herzen erobert: Marika Rökk, die gestern im Alter von 90 Jahren in Baden bei Wien an Herzversagen gestorben ist, begeisterte mit schnellen Pirouetten, hoch fliegenden Beinen und schmeichelndem ungarischen Akzent ein Millionenpublikum. Als Königin der leichten Muse war sie im Film wie auf der Bühne zu Hause, ihre Filmschlager wie "Ich brauche keine Millionen" wurden zu Evergreens.

<P>"Es ist alles nicht selbstverständlich, was man im Leben erreicht", sagte der einstige Revuestar noch vor seinem 90. Geburtstag. "Wenn man als begabter Mensch geboren wird, ist das eine Aufgabe, für die man leben muss." Wichtig seien auch die Menschen, denen man im Showberuf begegne: "Ich bin immer in gute Hände gekommen, dafür bin ich dankbar. Und das Publikum war meine große Familie."</P><P>Geboren wurde die Tochter eines ungarischen Architekten als Marie Karoline Rökk in Kairo, in Budapest wuchs sie auf. Dort trat sie auch als begabte Tanzschülerin in einem Kinderballett auf. 1924 zog die Familie nach Paris, wo die tanzbegeisterte Marika ihre Bühnenausbildung fortsetzte. Als der Vater 1925 sein Vermögen verlor, trug die Elfjährige als Mitglied der Revuetruppe "Hoffmann Girls", die im Moulin Rouge auftrat, zum finanziellen Unterhalt der Familie bei.</P><P>Am Broadway wurde sie als "Königin der Pirouette" gefeiert. In Europa reüssierte die Tänzerin und Sängerin von 1929 an auf Revuebühnen von Budapest, Berlin und Monte Carlo bis London. In britischen und ungarischen Streifen sammelte sie erste Filmerfahrung. Einem Talentsucher der UFA fiel sie in einer Wiener Zirkusrevue auf. Daraufhin erhielt sie 1935 ihre erste deutsche Filmrolle in der Zirkuskomödie "Leichte Kavallerie" und startete eine glanzvolle Karriere als UFA-Star.</P><P>An der Seite von Stars wie Johannes Heesters und Willy Fritsch wurde sie in Filmen wie "Gasparone" (1937), "Hallo, Janine" (1939) oder "Es war eine rauschende Ballnacht" (1939) gefeiert. 1941 begeisterte sie im ersten deutschen Farbfilm "Frauen sind doch die besseren Diplomaten". Ihr wichtigster Regisseur wurde Georg Jacoby, den sie 1940 heiratete.</P><P>Nach Kriegsende wurde sie mit einem Betätigungsverbot belegt, drehte aber bereits 1948 mit "Fregola" ihren ersten Nachkriegsfilm. An ihre früheren Erfolge konnte sie jedoch nicht mehr anschließen und wandte sich wieder stärker der Bühne zu. In Operetten und Musicals wie "Hello Dolly" behauptete sie ihren Platz an der Spitze des Showgeschäftes.</P><P>Zu einem ihrer größten Erfolge wurde 1978 das Lustspiel "Die Gräfin vom Naschmarkt" am Theater an der Wien, das Hugo Wiener eigens für sie schrieb. 1984 zog die Rökk sich zurück, um ihren zweiten Mann Fred Raul zu pflegen, der 1985 starb. Ihren Abschied von der Operette nahm sie 1992, kehrte aber immer wieder auf die Bühne zurück. So spielte sie mit knapp 80 Jahren in der Stadt ihrer Kindheit Budapest in Emerich Kalmans "Gräfin Mariza".</P><P>Für ihre Arbeit wurde Marika Rökk vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Filmband in Gold (1981) und dem Bayerischen Filmpreis (1987). 1998 erhielt sie den Ehrenbambi für ihr Lebenswerk. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte sie - singend und tanzend - vor fünf Jahren im Fernsehen. Seither lebte die Künstlerin zurückgezogen in ihrem Haus in Baden bei Wien.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Two Door Cinema Club: Die können wiederkommen
München - "I can tell just what you know..." Ja, die Nordiren von Two Door Cinema Club wussten am Donnerstagabend in der Tonhalle wirklich, was die Fans wollten.
Two Door Cinema Club: Die können wiederkommen
Michael Wollny: Pianist mit Hang zum Horror
Deutschlands Jazz-Hoffnung Michael Wollny improvisiert in München die Filmmusik zum Kinoklassiker „Nosferatu“. Die Faszination für das Unheimliche zieht sich durch …
Michael Wollny: Pianist mit Hang zum Horror
Ausstellung: Der Eisenbeißer im Lebendkicker
Das Jüdische Museum München setzt sich in „Never Walk Alone“ mit jüdischen Identitäten im Sport auseinander. Der Besucher findet sich dabei mitten in einem Lebendkicker …
Ausstellung: Der Eisenbeißer im Lebendkicker
„Idealzustand“: Pete Doherty in der Muffathalle
Ganz nüchtern wirkte er nicht, der Anarcho unter den Rockstars. Pete Doherty lieferte in der Münchner Muffathalle eine Show an der Grenze zum Exzess. 
„Idealzustand“: Pete Doherty in der Muffathalle

Kommentare