Königin des Radio-Pop

- Auf die Frage, was gute Musik ausmache, heißt's oft: Sie muss angenehm im Hintergrund laufen und darf nicht stören. Die englische Sängerin Dido spielte auf dem Münchner Königsplatz, und dort lief ihre Musik angenehm im Vordergrund. Schon beim ersten Song türmten sich die Keyboard-Klänge kilometerhoch in den Abendhimmel. Die Königin des Radio-Pop stand auf der Bühne vor den Propyläen und tat, was sie am besten kann: nicht stören. Nichts an Dido ist außergewöhnlich. Sie sieht aus, als habe sie es sich reiflich überlegt, ob sie für die Sangeskarriere den Job in der Studentenbibliothek aufgeben soll. Ihre Stimme ist unspektakulär, ein wenig flach, mit einem Hang zum Kippen - aber sie ist nicht nervig.

<P>Auch textlich wendet sich Dido weniger ans Hirn als ans Gemüt, kommt über Banalitäten selten hinaus: "I am what I am and I do what I want", hauchte sie. Dazu rollt die Band diesen Wohnzimmerteppich aus flächigen Synthesizer-Hymnen aus, gegen den sogar Pink Floyd wie rockende Rotzlöffel rüberkommen. Aber dann das: Die Süße irritierte mit Ansagen wie: ",Ich liebe dich gehört zu den wenigen Worten, die ich auf Deutsch kann. Ich hatte mal einen deutschen Freund. Ich habe ihn nicht geliebt, aber wenn ich das gesagt habe, hat's funktioniert." Oder über "Mary's in India": "Wenn der nächste Song wahr wäre, wäre ich eine totale Schlampe." Sollte die Lady ihrem Publikum mit ihrer braven Musik ein X für ein U vormachen? Schließlich hatte es auch ihre Namenspatronin, die karthagische Königin Dido, faustdick hinter den Ohren. </P><P>Doch bevor man sich selbst fragen konnte, ob das alles noch auf eine Kuhhaut geht, quoll schon die nächste Keyboard-Kadenz in Dur wie Sirup aus den Boxen, verteilte sich zusammen mit dem lila Laserlicht zwischen Glyptothek und Antikensammlungen, bedeckte die Zuhörer, die sich wohlig darin suhlten. Dido sang ihren Hit "White Flag", sagte artig "Dankeschön"; und vor ihrer Zugabe, "Have a Little Time", meinte sie: "If this makes sense to you, that's fine." Diese Frage sollte man lieber nicht stellen. Fest steht: Es war ein angenehmer Abend.</P>

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