Königinnen, keine Kanzlerinnen

- Das Schiller-Jahr ist vorbei. Es lebe Friedrich Schiller. Keine Frage, der Wert seiner Stücke ist nicht an Jubiläen gebunden. Den Beweis seiner Aktualität will jetzt das Bayerische Staatsschauspiel erbringen: Am 25. Januar hat im Münchner Residenztheater "Maria Stuart" Premiere, das Königinnen-Drama zwischen Schottland und England, Katholizismus und Protestantismus, zwischen zwei Rivalinnen der Extraklasse. Die Titelrolle spielt Anna Schudt, als Elisabeth I. ist Juliane Köhler zu sehen.

Und Regie führt Amélie Niermeyer (40), die damit gastweise zurückkehrt an den Ursprung ihrer Theaterkarriere. Denn hier war sie vor 17 Jahren Regieassistentin und bald darauf eine der ersten Frauen am Regiepult - von Marstall-Produktionen wie "Memmingen" bis zu großen Aufführungen wie "Hedda Gabler".

Wie es wohl war, zurückzukommen nach gut sechs Jahren Abwesenheit? Niermeyer: "Komisch. Einerseits kenne ich jeden Techniker, die Requisite, die Werkstätten, den Inspizienten. Ich war 23, als ich hier anfing. Kürzlich traf ich Franz Xaver Kroetz in der Kantine. Er hat mich in seine Arme genommen, und wir haben so gelacht. 1989 war ich bei ,Oblomow’ seine Regieassistentin." Andererseits müsse sie aber sagen, dass sie bei ihrer Rückkehr auch ein ganz anderes Haus vorgefunden habe.

 "Natürlich, eine andere Leitung, ein anderes Klima. Der Unterschied zwischen den Intendanten Günther Beelitz und Eberhard Witt war längst nicht so groß wie der zwischen Witt und Dieter Dorn."

"Maria Stuart", so Amélie Niermeyer, "ist ein Riesenbrocken. Es ist eine der größten Herausforderungen für mich, weil der Gegenstand so gewichtig ist. Aber Dorn sagte mir, wenn einem dieses Stück leicht von der Hand ginge, wäre es doch sehr verwunderlich."

Juliane Köhler, mit der Amélie Niermeyer häufig zusammengearbeitet hat (u. a. "Das kunstseidene Mädchen"), als Elisabeth und Anna Schudt als Maria - wäre die Besetzung nicht auch umgekehrt denkbar? "Für mich nicht. Juliane ist keine Maria. Das war mir von Anfang an immer klar."

"Die Sprache Schillers hat etwas ganz Heutiges."

Amélie Niermeyer

Natürlich hat die Regisseurin alles gelesen, was es über die Königinnen zu lesen gibt. Und selbstverständlich weiß sie, dass Friedrich Schillers  Version  historisch nicht korrekt ist, dass er der Elisabeth auch Unrecht tut. "Schiller hat sehr viel verändert. Vor allem zugunsten einer gewissen Verklärung von Maria. Wir haben uns zwar stark mit den Biografien dieser Frauen auseinander gesetzt, aber, ganz klar, wir spielen Schiller. Trotzdem wollen wir doch versuchen, der Elisabeth ein wenig zu ihrem Recht zu verhelfen."

Ist Schillers altes Stück denn noch modern? Niermeyer: "Also die formale Struktur ist es nicht. Aber die Sprache Schillers hat etwas ganz Heutiges in ihrer Korrektheit. Und die zentralen Themen des Stücks sind absolut modern. Die politischen Machtstrukturen, die Frage nach der Legitimität von politischer Gewalt, die ständige Durchdringung der persönlichen und der politischen Ebenen - all das hat unverändert Gültigkeit. Und zwar auch unabhängig von der Politik." Und, so die zukünftige Düsseldorfer Intendantin: "Die Frage nach Macht und Ohnmacht stellt sich für jeden."

Wenn sich konkret zwar keine Parallelität zu lebenden Personen herstellen lässt, beim Lesen des Dramas schleicht sich dennoch hier und da der Name Angela Merkel ein . . . Niermeyer: "Ja, das ist ein Thema, um das man nicht herumkommt und das wir auch zum Teil auf den Proben besprochen haben. Das ist aber etwas ganz Strukturelles, einfach weil eine Frau an der Macht ist. Merkel selber hat überhaupt keine Gemeinsamkeiten mit ihnen - weder mit Elisabeth noch mit Maria. Das sind Königinnen und keine Kanzlerinnen."

Mit Beginn der Spielzeit 2006/ 2007 leitet Amélie Niermeyer das Schauspielhaus Düsseldorf. Nach drei Jahren erfolgreicher Intendanz in Freiburg habe sie sich lange überlegt, dieses Angebot anzunehmen. "Das bedeutet, dass man weniger inszeniert. Der Regie gehört nun mal mein Herz. Andererseits glaube ich, die Fähigkeit zu haben, ein Team zu bilden, zu lenken, zu leiten. Und das ist doch letztlich auch immer eine Art von Inszenierung."

Am 25. Januar hat im Münchner Residenztheater Friedrich Schillers Königinnen-Drama "Maria Stuart" Premiere. In der Titelrolle Anna Schudt und Juliane Köhler als Gegenspielerin Elisabeth.

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