Königliche Farbtupfer

- Da Ulrich Peters, Noch-Intendant des Theaters Augsburg, ab der Spielzeit 2007/2008 dem Haus am Lech den Rücken kehren wird, um im Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz mit seiner Spielplangestaltung für höhere Auslastung zu sorgen, sind die Augsburger Premieren inzwischen besonders interessant. Durchaus löblich, dass er sich bei der jüngsten Neuinszenierung für Gaetano Donizettis Tragedia lirica "Maria Stuarda" nach der Tragödie von Friedrich Schiller entschieden hat, ein Beitrag des Musiktheaters zum Schillerjahr 2005.

Eine Oper, die selten auf deutschen Spielplänen zu finden ist. Umso erstaunlicher, dass die Premierenvorstellung nicht ausverkauft war!

Nuancenreicher Dirigent

Für diese Produktion kehrte Regisseur Pavel Fieber ans Theater Augsburg zurück. Nach seiner "Salome" (2004) nahm er sich nun des Konflikts der um Liebe und Thron rivalisierenden Königinnen Elisabetta von England und Maria Stuarda von Schottland an. Donizettis Librettist, der erst neunzehnjährige Textdichter Giuseppe Bardari durchforstete Schillers politisch-philosophischen Stoff, reduzierte die Darsteller von einundzwanzig auf sechs Personen, fasste dabei verschiedene Charaktere zusammen, eliminierte zahlreiche Nebenhandlungen und konzentrierte sich auf den Konflikt um Macht und Liebe.

"Maria Stuarda": "Ein musikalischer Krieg, der vor allem den beiden Königinnen Raum gibt für einen Belcanto-Abend par excellence", so lautet es verheißungsvoll in der Vorankündigung. Und zweifellos konzentriert sich Pavel Fieber auf die beiden Damen, wenngleich in erster Linie durch eine bonbonfarbige, üppige Kostümgestaltung durch Margrit Poremba. Überdimensional die spiralenartigen Reifröcke: Grün-Gelb, nicht gerade Sympathiefarben für Elisabetta, exzentrisches Rot-Pink-Lila für Maria Stuarda. Den Herren bleibt der Smoking, einzige Farbtupfer: die Schuhe, Handschuhe und Einstecktücher in Gelb, Grün und Lila. Der uninspiriert agierende Chor, eine Ansammlung von Baiser-Törtchen. Ein fast requisitenfreier schwarzer Guckkasten mit leicht angeschrägtem Boden dient über die zwei Akte als Spielfläche.

Doch gerade dieser Purismus offenbart die fehlende Idee dieser ziellosen Inszenierung, die nicht vorhandene Personenregie und den Detailmangel. Da helfen auch keine Lichteffekte. Dass es hier um emotionale Spannungen, um persönliches Leid einer Regentin geht, die aufgrund der Etikette und Staatsräson die Frau in der Regentin vernachlässigen muss, lässt sich nur erahnen.

Farbenreich gestaltete Vuokko Kekäläinen mit ihrem eher dunkel-warmen Timbre die Mezzo-Partie der englischen Königin. Sopranistin Kristen Strejc brauchte in der Titelpartie einige Zeit, um sich frei zu singen, was auf Kosten der dramatischen Gestaltung ging. Auch Zurab Zurabishvili ließ es als umschwärmter Graf Leicester an vokalen Schattierungen und Legatokultur fehlen. Mit sonorem Bass sang Greg Ryerson den Talbot, etwas zurückhaltend der Deklamationsstil des intriganten Lord Cecil.

Ausgesprochen erfreulich hingegen und das Highlight des Abends: das Dirigat von Henrik Ná´ná´si, der das Philharmonische Orchester Augsburg nuancenreich und subtil durch diese peinlich verschenkte Inszenierung führte.

Weitere Termine: 17.11.; Dez.: 10./17./25., Jan.: 3./15./27./29.; Feb.: 3./17. 2006.

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