Ein Königsdrama zum biblischen David

- Was ein Regisseur ist, habe er als Bub nicht gewusst, sagt Christian Stückl, heute Intendant des Münchner Volkstheaters. Denn in Stückls Heimat Oberammergau heißt der Regisseur der Passionsspiele Spielleiter, und was dieser macht, wusste der kleine Nachwuchsdarsteller aus dem theaterbegeisterten Dorf freilich sehr genau. Als Spielleiter hat er dann selbst im Jahr 2000 die traditionelle Aufführung vom Leben und Sterben des Jesus von Nazareth grundlegend und mit viel Erfolg umgestaltet.

<P>Seit der Renovierung der Passionsbühne 1999 wird das Haus im Sommer für Opern-Gastspiele genutzt, damit es nicht zehn Jahre bis zur nächsten Passion leer stehen muss. Wenn Stückl sich diese Gastspiele in den vergangenen Jahren ansah, dann war er "fast ein bissel eifersüchtig: Schließlich ist das doch unser Haus". So wurde die Idee geboren, auch außerhalb des Zehnjahres-Rhythmus mit den Laiendarstellern des Dorfes selbst tätig zu werden. Stückl beschreibt, er habe "Lust an der Figur Davids" bekommen. Da trifft es sich sehr gut, dass 1905 schon einmal in Oberammergau dieser Stoff als "Die Kreuzschul - David und Christus" aufgeführt worden ist. Im Sommer 2005, nach hundert Jahren und genau zur Passions-Halbzeit, wird David seine Wiederauferstehung erleben.<BR><BR>"Ein Königsdrama von Shakespeareschen Dimensionen" schwebt Christian Stückl vor, der vor Begeisterung nur so sprudelt, als er seine Konzeption in München der Öffentlichkeit vorstellt. Es geht ihm um den Zweifler David, der sich in Schuld und Sünde verstrickt, der aufsteigt vom Schafhirten zum Besieger Goliaths und zur ernsthaften Konkurrenz am Hofe König Sauls, wo David immer beliebter wird, weil ihm eine "tolle Stimme und gutes Aussehen" eigen sind. Der schließlich auch den Ehemann seiner geliebten Bathseba dem Tod ausliefert. <BR><BR>Grundlage des reinen Laienspiels wird eine Collage sein, die Stückl aus David-Texten der Dichter Reinhard Johannes Sorge (1892-1916) und Richard Beer-Hofmann (1866-1945) zusammenstellt. Die Besetzung steht noch nicht fest, Schauspieler des Volkstheaters jedenfalls werden nicht beteiligt sein. Stückl rechnet mit bis zu 400 Personen auf der Bühne, 300 hätten sich schon nach dem ersten Aufruf gemeldet. Auch Orchester und Chor mit insgesamt 125 Akteuren sollen wieder weitgehend aus Oberammergauern bestehen. Komponist Markus Zwink und Kostüm- und Bühnenbildner Stefan Hageneier, die beide an der Passion im Jahr 2000 mitwirkten, werden Stückl wieder unterstützen. 21 ausverkaufte Vorstellungen im Jahr 1905 bilden eine Steilvorlage. Für 2005 sind erst einmal acht Aufführungen geplant mit nur 2 600 von insgesamt fast 5 000 Plätzen: "Wir wollen das Publikum nah heranrücken", so Stückl.</P><P>22. Juli bis 13. August. Karten: Tel. 088 22/92 31 58.</P>

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