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Lässig - wie immer: Kofelgschroa.

Das neue Album von Kofelgschroa

Bayerns heißester Baaz

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Oberammergau - Es ist unsaubere, hintersinnige Musik für Feinschmecker: Kofelgschroa legen ihr neues Album „Baaz“ vor.

Baaz oder auch Batz oder Baz geschrieben, das ist im Bairischen der Matsch, der Schlamm oder im Allgemeinen eine breiige, schmierige, weiche Masse, wie wir in Ludwig Zehetners berühmten Wörterbuch nachlesen können. Beispielsätze sind: „Mit dem Graszeug hab’ ich den Dreckbatz abputzen wollen.“ Oder: „Pass auf, dass d’ ned in an Baaz tappst.“ Baaz ist ein bairisches Lieblingswort, wer vom Baaz redet, der ist hier dahoam. Der kommt aus Schneizlreuth, Tuntenhausen – oder eben Oberammergau.

Womit wir bei jenem Ort wären, aus dem seit einigen Jahren und mit schöner Regelmäßigkeit Bayerns heißester Baaz kommt. Oberammergau ist die Heimat der maximal erstaunlichen, wunderbar schrulligen, tief ins Ohr gehenden, manchmal sogar süchtigmachenden Band Kofelgschroa. Das neue Album der Band – das haben Sie, liebe Leser, wahrscheinlich geahnt – heißt: Baaz. Baaz ist bei Kofelgschroa Programm. Es ist unsaubere, hintersinnige Musik für Feinschmecker. Baazige Musik, die nach bayerischer Ursuppe nach Oberammergauer Art schmeckt.

Maxi Pongratz, der Sänger und Akkordeonspieler der Band, sagt: „Der Baaz gefällt uns schon auch deswegen, weil er so eine gewisse Ästhetik hat, aber er hat halt auch so ein bisserl was von Grunddreck. Nicht so clean. Ich mein: Das Menschsein an sich ist ja eine Sauerei. Wie viel Flüssigkeiten allein in und aus unserem Körper laufen. Dem Menschsein haftet immer etwas Ekliges an, aber eben auch etwas sehr Lustvolles.“

Es soll aber auch Leute geben, die die Musik nicht mögen

Manche haben die Musik von Maxi Pongratz, Michael von Mücke (Flügelhorn und Gitarre), Martin von Mücke (Helikontuba) und Matthias Meichelböck (Tenorhorn) schon Alpentechno getauft, und die „FAZ“ hat die junge oberbayerische Band vorsorglich schon mal in den Himmel gelobt. „Es gibt nix und niemanden, der klingt wie Kofelgschroa. Die Band aus Oberammergau zählt mit ihrem repetitiven Bayern-Krautrock, der Dub, Morricone und Elektro gefressen zu haben scheint, dabei ganz ohne perkussive Elemente auskommt, zum Ergreifendsten, was die Popmusik der vergangenen Jahre hervorgebracht hat.“

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, die eigenbrötlerische Musik der Kofel-Buben ganz bescheuert zu finden. Solche Menschen soll es auch geben. Ein guter Kofelgschroa-Test ist der Titelsong „Baaz“. Der Text geht so: „In Baaz ghörscht nei, in Baaz ghörscht nei!“ Das Lied ist eine fast neun Minuten lange Endlosschleife, bei der man irgendwie an Woodstock, an Meditation und veränderte Bewusstseinszustände denkt. Wer diesen Song mag, der mag auch den Rest der Platte, die mit einer Selbstverständlichkeit von Langlaufpokalen handelt, von Freundinnen aus Venedig, vom Birnbam, mit dem, da brauchen wir nicht im Zehetner blättern, natürlich der Birnbaum gemeint ist. Hier passt auf schwindelerregende Art und Weise zusammen, was auf den ersten Blick keinesfalls zusammenpasst. Es gibt schräge Reime, den zum Beispiel: „Anders als ein Inuit lebe ich im gemäßigten Klimagebiet.“ Es gibt ein Lied über einen Anorak, ein Kleidungsstück, das in der Popgeschichte eher selten besungen wurde. Es gibt Dialekt. Und vor allem gibt es Hoffnung in diesen aufgedrehten, oft gehässigen, überall und immer politischen Zeiten: Da sind diese vier windschiefen Burschen aus Oberammergau, die Musik machen, die sich anders anhört als alles andere. Aber doch vertraut. Kofelgschroa ist der Beweis, dass Heimat nicht nur Tradition bedeuten muss, sondern manchmal auch Wandel.

Informationen:

Kofelgschroa: „Baaz“ (Trikont).

Die Band stellt ihr Album am Sonntag, 9. Oktober, in der Alten Kongresshalle in München vor; Karten unter 089/ 54 81 81 81. Weitere Konzerte finden etwa in Übersee (13. 10.), Garmisch-Partenkirchen (15. 11.), Dorfen (9. 12.), Murnau (10. 12.), Oberammergau (7. 1. 2017) und Freising (13. 1. 2017) statt.

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