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Maximilian Pongratz mit tz-Reporter Antonio Seidemann.

Oberammergauer Volksmusiker reisen durch USA

Kofelgschroa: Blasmusik im Land des Blues

München - Nach einem Trip in den Wilden Westen und in die Sümpfe Louisianas sind Kofelgschroa wieder zurück in der Heimat. Wir trafen den Akkordeonspieler Maximilian Pongratz zum Gespräch.

Nach ihrem USA-Trip in den Wilden Westen und in die Sümpfe Louisianas sind Kofelgschroa zurück in der Heimat – rechtzeitig zum DVD-Start von Barbara Webers Dokumentarfilm „Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen.“ über die progressiven Volksmusiker aus Oberammergau. Wir trafen Akkordeonspieler Maximilian Pongratz zum Gespräch.

Wie würden Sie Ihre Erlebnisse in den USA mit einem Wort beschreiben?

Schee. Aufregend.

Wie reagierten die Menschen auf Ihre Musik?

Gut. Wir haben da sogar schon ein paar Stammleute, die zu unseren Konzerten kommen und uns mögen. Unsere Musik ist ruhiger als ihre. Dort drüben ist ja der laute, fetzige Brass zu Hause. Aber trotzdem gefällt es ihnen, weil es halt auch so anders ist.

Spielten Sie zusammen mit anderen Bands?

Ja, unter anderem mit der Brassband eines Münchners, der schon über 20 Jahre in New Orleans lebt. Der Martin Krusche.

Ein anderer Münchner, der Musiker Thomas Meinecke, hat über den bayerischen Einfluss in der texanischen Musikszene berichtet…

Den Thomas haben wir kontaktiert. Der hat uns durch die deutschen Städte in Texas gelotst. Die sprechen dort Deutsch und haben eine, ich sag’ mal, deutsche Faschingskultur. Sie essen Weißwürste, singen deutsche Volkslieder, schneiden eine Jeans ab, machen Hosenträger hin – dann ist das eine Lederhosn. Das ist eigentlich ganz lustig. Wir haben dort Straßenmusik gemacht und zum ersten Mal so Sachen wie „Muss i denn“ gespielt.

Gehört die Melodie zum Repertoire von Kofelgschroa?

Ja, mei. Die bringt ma’ schon z’samm. Wenn man Volksmusik macht, kann man irgendwie alles spielen.

Ist es seltsam, wenn die eigene Kultur in einem anderen Land fortgeführt wird?

Ja, sehr, sehr komisch. Sehr schräg. Früher hätte es mich aufgeregt, wenn etwas nicht echt ist. So: Das ist doch Kommerzscheiße. Aber inzwischen finde ich, dass alles seine Berechtigung hat.

Wo würden Sie die Grenze ziehen?

Nirgends. Wenn die Spaß daran haben, dann lass’ sie doch. Wir haben ja selbst solche Sachen. Zum Beispiel den Döner. Das ist ja auch eine in Deutschland erfundene Sache.

Tritt man in den USA unbelasteter auf?

Total. Ich spiele überall fast lieber als zu Hause, weil du es nicht so wichtig nimmst. Zu Hause habe ich Angst, dass ich mich verspiele.

Hat der Besuch in den USA die eigene Art zu komponieren verändert?

Jede Reise verändert etwas. Gerade die Begegnung mit Jazz-Akkorden. Das habe ich vorher so nie gehabt. Ich hatte eine Abneigung gegen Jazz, weil ich den als anstrengend empfunden habe. Aber inzwischen, wenn man sich auf ein paar Stücke einlässt und die übt, dann hast du das im Hinterkopf und baust es ein.

Wird die nächste CD also ein Jazz-Album?

Naa. Um Gottes willen! Das ist nichts für uns. Aber du hast einfach etwas mehr im Repertoire, das einfließen kann. Früher haben wir ja auch Rock-Covermusik gemacht. Und das hat mich beim Akkordeonspiel beeinflusst.

Sie waren auf einer Musikschule, waren aber dort nicht glücklich. Wie würden Sie diese Erfahrung und die in den USA vergleichen?

Was ich in der Schule vor allem gelernt habe, ist das Üben. Das Verhältnis zwischen den Nerven, die mich die Schule gekostet hat, und dem, was sie mir gebracht hat, stimmt halt nicht. Aber es ist natürlich gut, dass ich weiß, wie man an etwas herangeht, das man noch nicht kann. Früher war es immer: Mog i ned, ko i ned, brauch i ned. Nichtsdestotrotz geht nichts über solche Reisen. Es gibt so viele Sachen, die man als Musikant da lernt, die wichtiger sind. Man nimmt Musik einfach auf. Das Kapital eines Musikanten, vor allem eines Akkordeonspielers, ist, dass er von vielen Stilen etwas weiß. Da gehören der „Boléro“ von Ravel dazu, Chansons und die klassischen Gassenhauer wie der türkische Marsch von Mozart.

Das Gespräch führte Antonio Seidemann

Barbara Weber: „Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen.“ (Movienet).

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