Koloratur-Wunder

- Natürlich war La Gruberova das Ereignis des Abends. Sie machte die Repertoire-Vorstellung von Donizettis "Lucia di Lammermoor" am Sonntagnachmittag im Münchner Nationaltheater benefiztauglich (Herz für Herz) und lockte auch eine Gruppe luxemburgischer Opernfreunde an die Isar. Zum Glück flankierte die Bayerische Staatsoper ihren Superstar mit zwei Herren, die neben Edita Gruberova als Lucia bestehen konnten: dem erfahrenen Paolo Gavanelli als Lucias Bruder Enrico und dem jungen Tito Beltran als ihrem Liebhaber Edgardo. Auch wenn Robert Carsens Inszenierung schon ziemlich abgehangen und die Spannung entwichen ist, fesselten die Sänger zunehmend das Publikum.

Edita Gruberova zeichnete die Lucia von Beginn an als eine Gefährdete, auch wenn sie zunächst noch - auf dem Bett hockend - in feinsten Fiorituren von der Liebe träumte. Ihre unglaubliche Disziplin und Technik garantieren für jeden Ton, jede halsbrecherische Koloratur, jede Piano-Nuance. Sie wurden zu Facetten des Wahnsinns in ihrer großen, umjubelten Szene. <BR><BR>Hoch in der Gunst des Publikums stand auch Paolo Gavanelli, der den bösen Bruder baritonal kraftvoll auftrumpfen oder verschlagen schmeicheln ließ. Wie die meisten derzeit erfolgreichen jungen Tenöre stammt auch Toto Beltran aus Südamerika. Der Chilene trumpfte mit bis in die Spitzentöne kräftigem, aber unforciertem virilem Tenor temperamentvoll auf. Während ihm der kleine Schluchzer durchaus gut steht, mangelt es noch an der raffinierten Ausleuchtung des Pianos. Da kann er von der Gruberova noch viel lernen. Die kleine Partie des Raimondo adelte Alastair Miles.<BR><BR>Getragen wurden die Sänger von Friedrich Haider, der am Pult des Staatsorchesters mitatmete und die Spannung schürte.<P><BR> </P>

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