Komiker am Abgrund

- "Hogans Heros" gehört zu den Klassikern des US-Fernsehens, einer der großen Erfolge der späten 60er. Ihr Star hieß Bob Crane, ein durchschnittlicher Komiker, der mit der ein wenig geschmacklosen Figur des Kommandanten eines Nazi-Gefangenenlagers die Rolle seines Lebens gefunden hatte. "Auto Focus", die neue Regiearbeit des großen Drehbuchautors Paul Schrader (er schrieb das Script für Scorseses "Taxi Driver") erzählt nun die Geschichte dieses Bob Crane.

<P>In den Zeiten der sexuellen Befreiung konnte der plötzlich populär gewordene Star den zahlreichen Versuchungen immer weniger wiederstehen und entwickelte sich zum Sexsüchtigen. Private Pornofilme wurden gedreht, Drogen konsumiert. So beginnt Cranes unaufhaltsame Reise in den Abgrund, die den Zuschauern zugleich den Blick öffnet für die Schattenseiten der Unterhaltungsbranche, für Geschlechterbeziehungen im Wandel der letzten Dekaden.</P><P>Schrader, ein gläubiger Calvinist, erzählt eine moralische Geschichte über Verführung und Versuchung, die auch von den Untiefen des Religiösen, speziell des US-Puritanismus, handelt. Die Hauptrollen spielen Komiker Greg Kinnear und Willem Dafoe. "Auto Focus" lebt vor allem vom brillanten Spiel Kinnears. Er gibt dieser unsympathischen Figur Menschlichkeit, lässt uns verstehen und teilhaben. Er ist perfekt in der Darstellung der Spannung zwischen den überkandidelten Posen des Komikers, dem "seriösen" öffentlichen Bild, das Crane abgab, und seiner versteckten, privaten Seite. Und Kinnear gelingt es, der etwas starren Story ein spielerisches, ironisches Element zu geben.</P><P>So wird durch ihn und seinen Regisseur "Auto Focus" zu einer traurigen, bewegenden Geschichte und einer skurrilen Farce zugleich - die Passionsgeschichte eines lächerlichen, aber würdigen Mannes. (In München: Marmorhaus, Mathäser)<BR><BR>"Auto Focus"<BR>mit Greg Kinnear, Willem Dafoe<BR>Regie: Paul Schrader<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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