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Kultur-Redakteur Markus Thiel.

Einheitsstiftende Kunst

Kommentar zur Elbphilharmonie: Alles hat sich gelohnt

„Ja, das Hamburger Projekt Elbphilharmonie ist zu teuer und war schauderhaft fehlgesteuert. Aber alles hat sich gelohnt“, schreibt Kultur-Redakteur Markus Thiel am Abend des Eröffnungskonzerts.

Natürlich ist das verrückt. Aber wenn man mit zehn Millionen Euro die Werbemaschine durchdrehen lässt, wenn die Begeisterung über eines der wenigen weltweit bedeutenden Bauwerke in Deutschland Sturmflutstärke erreicht, darf man sich über den Eröffnungstag der Elbphilharmonie nicht wundern. Ja, das Hamburger Projekt ist zu teuer und war schauderhaft fehlgesteuert. Aber alles hat sich gelohnt. Nicht nur, weil eine Architektur zu bestaunen ist, die die Balance hält zwischen Sensation und Understatement. Oder weil die Akustik den Spitzensälen von Wien, Tokio und Amsterdam auf gleichem Niveau begegnet, nein: Wichtig ist noch etwas anderes.

Für Wochen fieberte eine übergroße gesellschaftliche Koalition der Eröffnung eines Musentempels entgegen. Ein Kulturrausch, der einigende Wirkung entfaltet. Die Elbphilharmonie rückt vieles zurecht und verweist andere aufgeblasene Themen-Mücken und Problem-Popanze auf die Plätze, vielleicht nur für kostbare Momente. Das heißt nicht, dass Verdrängung die Lösung ist. Aber signalisiert wird, dass Erfreuliches, Lichtes am Beginn eines seltsamen Jahres möglich ist, Einheitsstiftendes – bei aller Diskussionswürdigkeit. Hamburgs neues Wahrzeichen bleibt also ein Politikum. Im besten Sinne.

Sehen Sie hier spektakuläre 360-Grad-Videos der Elbphilharmonie.

So sieht die Hamburger Elbphilharmonie von innen aus

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