Auto rast in Newscastle in Menschengruppe - Fahrerin festgenommen

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Kommt mir nicht mit Kleinigkeiten

- Vielleicht war doch alles nur ein Traum: Der Triumph, über die eigene Angst zu siegen und auf den Turm zu steigen - und auch der Absturz. Aber wenn es nur ein Traum war, wieso rinnt Blut aus der Nase? In eine rätselhafte Traum-Klammer spannt Regisseur Thomas Ostermeier am Akademietheater Wien Henrik Ibsens Drama "Baumeister Solness", das jetzt im Rahmen der Wiener Festwochen Premiere hatte: ein feinsinniges Kammerspiel über die zerstörerische Kraft von Lebenslügen und von ungelebten Träumen.

<P>Emsig huschen Gestalten durch den Raum. Plötzlich schwebt eine Figur über der Szene, durchmisst den Raum wie ein Luftgeist, mit riesigen Schritten, in Zeitlupe: Mit dieser Traumsequenz eröffnet Ostermeier seine Neuinszenierung des Ibsen-Dramas. Sein Baumeister Solness, dargestellt von Gert Voss, ist ein arrivierter, unerbittlicher Selfmade-Mann, der sich mit Glück und ohne Skrupel an die Spitze eines kleinen Unternehmens intrigiert hat.</P><P>Arriviert und ohne Skrupel</P><P>Alles an diesem Erfolgsmenschen sagt: Ich habe es geschafft, ich bin einer, der groß denkt, kommt mir nicht mit Kleinigkeiten. Und doch nimmt man diesem rücksichtslosen Aufsteiger die Gewissensängste ab, die ihn dazu drängen, sich in einem Kokon fremder Furcht einzunisten, um das fragile Konstrukt des eigenen Erfolgs aufrechtzuhalten. Um sich herum hat er ein System von Abhängigkeit und Angst geschaffen. Die Bürogehilfin Kaja Fosil (Sabine Haupt) ist ihm heillos verfallen. Sein einstiger Vorgesetzter und jetziger Angestellter Knut Brovik (Branko Samarovski) greift schwer atmend zum Asthma-Spray, bevor er es wagt, ihn um eine Unterredung zu bitten. Und Broviks Sohn Ragnar (Markus Gertgen), bei Solness als Zeichner in Diensten, schickt den Papa vor, um vom Chef eine Beurteilung zu erbitten.</P><P>Büro und Wohnung sind eins (Bühne: Jan Pappelbaum). Es gibt keine stabilen Außenwände, nur transparente Schiebetüren. Als Solness' Frau Aline (Kirsten Dene) auftaucht, wird deutlich, wie sehr diese Offenheit Fassade ist. In diese Welt bricht als bunter Vogel Hilde Wangel (Dorothee Hartinger) ein, eine unbekümmerte Abenteurerin. In ihrer Mischung aus Naivität und rätselhafter Weisheit ist sie der süße Luftgeist Jugend, der Solness auf seine verdrängten Ängste und längst vergessenen Träume stößt. Ihr zuliebe überwindet er seine Höhenangst und klettert auf den Turm seines neuen Hauses, um den Kranz zum Richtfest anzubringen.</P><P>Bei Ibsen stürzt der Baumeister tödlich ab. Bei Ostermeier sieht das Ende anders aus. Der Regisseur verdammt Solness zur ewigen Wiederkehr der gleichen (Alb-)Träume und schickt ihn noch einmal zurück ins Wohnzimmer. In seinem Sessel kauernd, schreckt Solness plötzlich auf und wird gewahr, dass ihm Blut aus der Nase rinnt. Wie ein Dé´jà`-vu wiederholt sich ein Dialog aus einer früheren Szene - doch nicht mit Hilde Wangel, sondern mit seiner Frau Aline. Was wirklich war, bleibt unklar. Nur der Angsttraum vom Absturz ist stets der gleiche.</P><P>Mit diesem Kunstgriff und mit feinem Gespür für die vielschichtige Seelenlage der Figuren gelingt Ostermeier eine ungekünstelte Aktualisierung von Ibsens skeptischem, melancholischem Bühnenwerk.</P>

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