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Im Umfragetief: Präsident Charles Smith (Jochen Busse) kämpft auf ungewöhnliche Weise ums Überleben.

Gnade für die Truthähne

München - Neues in der Komödie im Bayerischen Hof: Jochen Busse schnaubt sich unter Volldampf durch die Polit-Satire „November“.

Bei der Polit-Farce „November“ (2008) von David Mamet, dem hierzulande bereits inszenierten US-Erfolgsdramatiker („Oleanna“) und Drehbuchautor („Wenn der Postmann zweimal klingelt“), lachen sich die Amerikaner sicher schief. Aber auch wir haben, nicht zuletzt dank CNN, Einblick in ausgefuchste US-Wahlkampagnen-Strategie: Willkommen im strahlend weißen Oval-Office in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof, wo Jochen Busse als Präsident Charles Smith im Umfrage-Tief ums Überleben strampelt.

Geld muss her. Mit den üblichen Spenden und Fundraising-Dinners? Mamet weiß Schrägeres: „Thanksgiving“, der Amis geliebtes Erntedankfest im – November. Das Honorärchen für die Begnadigung eines Truthahns vor dem Bratrost (US-Tradition, kein Witz!) rechnet Charles hoch: übers Geflügel-Pfund der zu je Fest 50 Millionen verspeisten Puter zu satten zwei Millionen Dollar – entweder für eine gut gepolsterte Pension oder doch für die sauteuren TV-Sendeplätze einer griffigen Wahlkampagne.

Und jetzt „Präsident“ Busse im Total-Clinch: Die Gattin quengelt am Telefon, weil sie das Präsidentensuite-Sofa für die Pensionsvilla möchte. Der Federvieh-Lobbyist (Thomas Gimpel) ist in Aufruhr wegen Charles’ Ghostschreiberin Bernstein (Claudia Scarpatetti), die mit ihrem Adoptions-Baby aus China die Vogelgrippe eingeschleppt hat. Und Charles in höchster Not, weil Bernstein die so wichtige Präsidenten-Rede nur rausrückt, wenn sie ihre Lebensgefährtin heiraten darf. Gesetzesänderung? Oder noch besser: Die Pilgerväter haben statt Truthahn einfach Dorsch gegessen! Für solche dreiste Geschichtsfälschung will Indianerhäuptling Crackle (André Beyer) aber die Insel Nantucket als Domizil seines geplanten Casinos. Jochen Busse, der ja – auch hier – ein Meister der scheinbar emotionslos abgeschatteten Pointe sein kann, schnaubt derart unter Volldampf durch dieses nicht unamüsante Potenzial an blödeliger Polit-Satire, dass man ahnt: Regisseur René Heinersdorff (auch noch in der Rolle von Charles’ rechter Hand Archie) hat das Kabarett-Moderations-Comedy-Urgestein Busse nicht so richtig an die Kandare gekriegt. Oder war’s gewaltsam überspielte Müdigkeit nach der Super-Gala zum 50. Komödien-Jubiläum?

Malve Gradinger

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