„Ich habe in mir eine bayerische Seite entdeckt“: Regisseur René Heinersdorff (57) leitet bereits Theater in Düsseldorf und Köln.
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„Ich habe in mir eine bayerische Seite entdeckt“: Regisseur René Heinersdorff (57) leitet bereits Theater in Düsseldorf und Köln.

Nach Skandal um Noch-Chef Thomas Pekny

Komödie im Bayerischen Hof: René Heinersdorff soll übernehmen

  • Katja Kraft
    VonKatja Kraft
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Er möchte es noch nicht in Stein meißeln. Aber wenn man so mit René Heinersdorff spricht, wird klar: Dieser gut gelaunte Rheinländer wird wohl der Neue in der Komödie im Bayerischen Hof in München. Es wäre ein nahtloser Machtwechsel am Haus, das gerade wahrlich keine leichte Zeit durchmacht. Wie berichtet, stand der derzeitige Intendant, Thomas Pekny, im Juli wegen sexuellen Missbrauchs vor dem Landgericht München.

Der Vorwurf: Auf den Oktoberfesten 2015 und 2016 soll Thomas Pekny betrunkene junge Frauen von der Theresienwiese mit in die Proberäume des Theaters genommen und dort, während sie schliefen, intime Fotos und Videos von ihnen aufgenommen haben. Es kam zum Freispruch, die Staatsanwaltschaft hat Revision angemeldet.

Bei den Premierenabenden der Komödie ließ sich seit dem Prozess der Chef nicht blicken, viele Schauspieler und insbesondere Schauspielerinnen haben seinen Rücktritt gefordert. In der Diskussion um eine mögliche Neubesetzung fällt häufig der Name René Heinersdorff. Ein Boulevardtheater-Profi: Der 57-jährige Regisseur ist Direktor des Theaters an der Kö in Düsseldorf und des Theaters am Dom in Köln, zusätzlich als Vorsitzender der Privattheatergruppe im Deutschen Bühnenverein bestens vernetzt. Gerade erst hat er in der Komödie im Bayerischen Hof Regie geführt - beim aktuellen Stück „Wer hat Angst vorm weißen Mann“.

Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt er die Gerüchte in seiner lockeren, zugänglichen Art: „Ich habe total Lust darauf. Ich liebe München und erinnere mich gern an meine Zeit in der Kleinen Komödie am Max II oder an die Arbeit mit Erni Singerl. In meiner rheinischen Seele hab’ ich schon auch eine bayerische Seite entdeckt.“ Das Fünfe-gerade-sein-Lassen, das hätten Rheinländer und Bayern durchaus gemein.

Thomas Pekny hat René Heinersdorff seine Nachfolge angeboten

In der Sache um Thomas Pekny aber hört für René Heinersdorff der Spaß auf. „Ich finde das, was der Thomas getan haben soll, unerträglich. Ich habe ihm ordentlich den Kopf gewaschen, denn auch als Mann wird mir ganz anders angesichts solch eines Verhaltens“, betont er. Heinersdorff spricht nicht das Wort Mitleid aus, macht aber darauf aufmerksam, dass Pekny seit dem Prozess ein gebrochener Mann sei. „So unappetitlich die Sache ist: Er ist freigesprochen, und jetzt zwingt ihn die Öffentlichkeit dazu, seinen Privatbesitz zu veräußern. Ich finde das von ihm einen großen Schritt, dies nun tun zu wollen.“

Bei einer privaten Bühne wie der Komödie im Bayerischen Hof verhält es sich nicht wie an einem staatlichen Haus: Pekny ist Inhaber der Theaterbetriebe Margit Bönisch GmbH und kann als solcher nicht einfach abberufen werden. „Er ist deshalb auf mich zugekommen und hat mir vorgeschlagen, dass ich ihm einige seiner Anteile abkaufe und die Geschäftsführung übernehme“, erzählt Heinersdorff.

Ehe es aber so weit ist, müssen sich die beiden auch mit Innegrit Volkhardt einigen, der Direktorin des Hotels Bayerischer Hof, das Vermieter der Bühne ist. Doch auch hier zeigt sich der mögliche Pekny-Nachfolger René Heinersdorff optimistisch: „Ich habe sie in der Vergangenheit immer als eine ausgesprochen kluge, besonnene Partnerin erlebt, die eine große Liebe zu dem Theater hat. Sie sieht das mit Herz und mit Klarheit.“ Nur wolle er jetzt nicht derjenige sein, der von außen die anderen zwei antreibt, ihm den Platz freizuräumen. „Schon aus ganz egoistischen Gründen: Ich bin Ende 50, da möchte ich nicht an einem Ort arbeiten, an dem sich alle streiten. Es soll eine Lösung gefunden werden, die für das Haus, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für alle Beteiligten also die beste ist.“ Es würden gerade intensive Gespräche geführt, offiziell sei alles aber erst, wenn der Notartermin ansteht.

René Heinersdorff möchte nicht nur ab und zu nach München kommen

Und dann? Wird er, so er der neue Chef wird, überhaupt Zeit finden, auch mal länger in München zu sein? Er lebt in NRW, hat vier Kinder. „Definitiv. Ich möchte auf keinen Fall nur vorbeikommen, ein paar Kommandos geben und wieder verschwinden. Ich würde da schon eine gewisse Präsenzpflicht empfinden.“ So vorfreudig, wie er erzählt, hat man den Eindruck: Ein bisschen rheinische Frohnatur könnte das Haus in eine neue Zeit führen.

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