Bomben-Alarm in Berliner McDonald‘s

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Die Komödie der 120 Knalleffekte

- Die Pointe ist ein lustiger Knalleffekt; beim Witz erfolgt sie zum Schluss, bei der Komödie taucht sie öfter auf. In den Komödien des Parisers Pierre Sauvil aber ereignet sie sich minütlich, womit es am zweistündigen Theaterabend leicht zu 120 Knalleffekten kommt. Oder auch: zum Platzen des humoristischen Trommelfells.

<P>"Schwarzgeld für weiße Tauben" heißt die neue Produktion in der Kleinen Komödie am Max II. Sie ist ein ebensolcher Sauvil, voll der französischen Pointe, doch der sprachliche Irrwitz strömt auch im Deutschen ganz vortrefflich. Dabei ist das Sujet eines, aus dem vor allem das tagesaktuelle Kabarett gern schöpft: die Politik. "Kann man reich und ehrlich sein?", fragt der dümmliche Herr Minister, Volker Brandt, während er die Sitzbänke von Gert B. Venzkys gestylter Landhaus-Bühne abschreitet, um größer zu wirken. Sauvil verneint und hängt dem Politiker ein kleines Hinterziehungsaffärchen an, das der Abgeordnete Bouladon prompt zur Erpressung nutzt: Er verlangt nicht mehr als die Botschafterwürde und einen Urlaub auf Guadeloupe - mit der Frau des Ministers.<BR><BR>In immer knapperen Kleidern und mit immer süßerem Lächeln erscheint Sibylle Nicolai als püppchenhafte Ehefrau; sie hat Gefallen an der Rolle der Begehrenswerten gefunden. Dem Minister ist das gar nicht so unrecht, ist er doch selbst einer kleinen "Ratatouille"-Affäre nicht abgeneigt. - Ach, was sind sie alle falsch in diesem exaltiert moralischen Ringelreihen - jeder liebt jeden, jeder betrügt jeden, und am Ende haben alle gewonnen - bis auf den Politiker, so ist's gerecht.<BR><BR>Sauvils Konflikt-Konstrukt aus Sex, Lügen und Staatswesen hat nicht mehr zu bieten als seine maßlose Steigerung: die Übertreibung. Die inszeniert Celino Bleiweiss in ebenso karikaturistischer Manier: Nichts zum Schmunzeln, es ist ein Abend der lauten Loslacher - und des Slapstick. Die fünf Schauspieler gehen mit Schmackes an die lustvolle Arbeit. Nicht selten droht dabei die Inszenierung in einen Superlativ des lustig-absurden Treibens auszuarten, der die Textpointen noch zu übertreffen sucht. Oder, um bei der Metapher zu bleiben: in ein undefinierbares Ratatouille. <BR><BR>Bis 1. Mai. Karten: Tel. 089/22 18 59.<BR></P>

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