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Giselher Klebe

Komponist Giselher Klebe gestorben

Berlin - Giselher Klebe, einer der bedeutendsten deutschen Komponisten der Gegenwart, ist tot. Er starb nach schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren in Detmold.

Das teilte der Bärenreiter Verlag in Kassel mit. Klebe prägte vor allem die deutsche Opernlandschaft der Nachkriegszeit. Zu seinen mehr als 140 Kompositionen zählen 14 Opern nach meist klassischen Literaturvorlagen wie “Die Räuber“ oder “Die Fastnachtsbeichte“ und sieben Symphonien. Zuletzt wurde im April 2008 seine Oper “Chlestakows Wiederkehr“ nach Nikolai Gogols “Revisor“ in Detmold uraufgeführt. Klebes Credo war nach seinen eigenen Worten, das “selbstgeschaffene Getto der Neuen Musik zu verlassen und ein hörbares Miterleben zu ermöglichen“.

Der Detmolder Ehrenbürger Klebe war Mitglied der Berliner Akademie der Künste und von 1986 bis 1989 in der Nachfolge von Günter Grass auch deren Präsident. Der heutige Akademie-Präsident Klaus Staeck würdigte Klebe als einen Komponisten “von ungewöhnlicher Produktivität“, der unbeirrbar seinen eigenen künstlerischen Weg gegangen sei, “jenseits “modernistisch gefärbter Attitüden““. Klebe sei auch ein leidenschaftlicher Lehrer gewesen. “Wir trauern um einen warmherzigen Menschen, einen geradlinigen Künstler, der sich der abendländischen Kulturtradition Zeit seines Lebens tief verbunden sah“, betonte Staeck.

Der gebürtige Mannheimer Klebe studierte nach dem Krieg bei Boris Blacher in Berlin und lehrte seit 1957 an der Musikhochschule in Detmold. Er gehörte weder zu den radikalen Atonalen oder Elektronikern der Kölner Schule noch zu den Puristen der Zwölfton- oder seriellen Musik. 1950 war ihm mit dem Orchesterwerk “Die Zwitschermaschine“ nach dem gleichnamigen Bild von Paul Klee bei den Donaueschinger Musiktagen der Durchbruch gelungen. Die Kritik stufte seine Oper “Die Räuber“ 1957 als “stilistisch konsequenteste und originellste Opernpartitur“ seit Bergs “Wozzeck“ und Schönbergs “Moses und Aron“ ein. Klebe erhielt mehrere nationale und internationale Auszeichnungen.

dpa

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