Sind die WMs 2018 und 2022 gekauft worden? FIFA veröffentlicht „Garcia-Bericht“

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„Ich merke gerade, dass ich mehr Zeit brauche für alles“: Komponist und Klarinettist Jörg Widmann lässt zurzeit seine Freiburger Professur ruhen. Zur Eröffnung der Elbphilharmonie schreibt er ein Chor- und Orchesterwerk.

Im Porträt

„Es fühlt sich richtig an“

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Komponist Jörg Widmann hat endlich Mozarts Klarinettenkonzert aufgenommen - und schreibt ein neues Stück zur Eröffnung der Elbphilharmonie

Auf gar keinen Fall sei dies sein letztes Wort. Geht auch gar nicht, wenn man mit diesem Opus quasi sozialisiert wurde und es ständig zur Wiedervorlage kommt. Wie oft Jörg Widmann Mozarts einziges Klarinettenkonzert gespielt hat, weiß er nicht. Und wie oft er dabei Details der Interpretation geändert hat, wie er sie seinem eigenen Reifen angepasst hat und zu immer mehr Erkenntnissen über dieses Wunderwerk gekommen ist, auch das lässt sich nicht genau sagen. „Irgendwie ist es jetzt trotzdem Zeit für die CD“, sagt Widmann, „und es fühlt sich richtig an“.

Jörg Widmann, genau, das ist ja eigentlich jener vom Schreiben besessene Komponist, der zum Beispiel der Bayerischen Staatsoper das abendfüllende Opus „Babylon“ geschenkt hat, Uraufführung war im Oktober 2010. Und schon wieder sitzt er am nächsten Großauftrag. Zur Eröffnung der Elbphilharmonie im Januar 2017 möchte Kent Nagano von Widmann etwas Großes. Ein Chor-Orchesterwerk, einfach aus dem Grund, weil ein neuer Saal nicht mit Beethovens sonst gern genommener Neunter eingeweiht werden soll, sondern standesgemäß mit einem neuen Stück. Bis dahin bleibt nicht mehr furchtbar viel Zeit. Widmann weiß noch nicht genau, welche Texte er vertonen wird. Aber das wird schon klappen – auch wenn es, eben wie im „Babylon“-Fall, knapp werden könnte.

Für Widmann, 1973 in München geboren, ändert sich gerade einiges. Die Freiburger Professur für Komposition und Klarinette lässt er für ein vierjähriges Sabbatical ruhen (obgleich er weiter Workshops gibt), im Sommer steht der Rückzug nach München, in sein geliebtes Haidhausen an. Gleichzeitig schaut er sich nach einer kleinen Bleibe in Berlin um. Und dann ist dann diese neue CD plus eine ganze Reihe von Konzerten, Widmann tritt wieder verstärkt als ausübender Künstler ins Rampenlicht – obgleich die Münchner ihn aktuell als Tonschöpfer erleben. Sein Bratschenkonzert wird Donnerstag und Freitag im Herkulessaal vom BR-Symphonieorchester aufgeführt. Antoine Tamestit ist der Solist, Daniel Harding dirigiert.

Viel hat sich seit Widmanns Anfängen als Klarinettist verändert. Ruhiger, abgeklärter im Spiel ist er geworden, was auf der CD dem Mozart-Opus und dem damit gekoppelten Klarinettenkonzert aus der Feder Carl Maria von Webers nur zugute kommt. Das Wissen um Mozart verbergen, dies sei im Grunde der Idealfall, formuliert es Widmann. Wie sein großer, unerreichbarer Kollege will er sich und anderen nichts mehr beweisen. „Die Unbekümmertheit und Spielfreude gab es bei mir früher im Übermaß. Wenn ich mich beim Brahms-Klarinettenquintett nicht schon nach dem ersten Satz total verausgabt habe, war ich von mir enttäuscht.“

Ende der Neunzigerjahre war Widmann dieses Draufgängertum nicht mehr genug, ob im Spiel oder im Komponieren. Andere Parameter wurden interessant – im speziellen Mozart-Fall dessen geniale Ökonomie im Spätwerk, zu dem das Klarinettenkonzert zählt. „Genau das ist ja das Radikale bei Mozart. Er gesteht dem Solisten nicht mal eine Kadenz zu. Als ich mal gefragt wurde, ob ich eine schreiben könnte, habe ich das entrüstet zurückgewiesen. Außerdem: An welcher Stelle in diesem vollkommenen Stück sollte man die einpassen?“

Dass er Mozart auf CD mit Weber koppelte, will Widmann als „Riesenplädoyer“ für einen Unterschätzten verstanden wissen. Viele sprächen dem „Freischütz“-Urheber Tiefe ab. „Etwas Dümmeres kenne ich nicht“, meint Widmann. „Gerade die Kollegen haben ihn damals ihn für seine Eleganz und Schlackenlosigkeit verehrt. Ich habe in seinem gesamten Œuvre keinen Takt zu viel gefunden.“

Gut vorstellbar ist, dass Widmann nun noch verstärkt nach Solo-Auftritten gefragt wird. Ob das also mit dem Sabbatical wirklich klappen wird? Es ist eher eine Besinnung, ein Innehalten, was dem Münchner vorschwebt. „Ich merke, dass ich mehr Zeit brauche für alles.“ Skrupel und Selbstkritik nähmen zu. „Ich übe heute auch viel mehr – und es macht mir sogar mehr Freude.“ Natürlich habe er sich vorgenommen, dass er ein wenig auf die Bremse tritt. „Aber da stehe ich mir selbst im Wege. Ich halte es da eher mit Gustav Mahler – nach dem wir Musiker ja alle fahrende Gesellen sind.“

 

Jörg Widmann:

Klarinettenkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Maria von Weber, dazu drei Schattentänze von Widmann; Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Dirigent: Peter Ruzicka (Orfeo Classics)

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