Als Komponist vergessen

München - Von Wagner bis Offenbach hat der Schriftsteller E.T.A. Hoffmann immer wieder namhafte Komponisten zu spannenden Musikdramen inspiriert. Dass er auch selbst nicht nur mit Worten, sondern auch mit Noten umzugehen wusste, ist heute fast vergessen.

So dauerte es ganze 201 Jahre, bis sein Singspiel "Liebe und Eifersucht" diesen Sommer bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen aus der Taufe gehoben wurde. Ab morgen ist diese Koproduktion nun auch im Münchner Gärtnerplatztheater zu erleben, wo Dirigent Andreas Kowalewitz dafür sorgen wird, dass wir endlich den Komponisten E.T.A. Hoffmann etwas besser kennenlernen. Regie und Ausstattung besorgt Ezio Toffolutti.

-Wie lief der Umzug von Ludwigsburg an den Gärtnerplatz?

Eigentlich sehr gut, auch weil es jetzt das erste Stück der Saison ist und wir uns ganz darauf konzentrieren können. Bei der Inszenierung denke ich, dass sie hier sogar noch besser funktionieren könnte, weil unser Theater einfach viel kompakter ist als das Forum in Ludwigsburg mit seinem modernen Ambiente.

-Und was die musikalische Seite betrifft?

Wir spielen natürlich nicht auf Originalinstrumenten wie bei meinem Kollegen Michael Hofstetter in Ludwigsburg. Ganz einfach, weil das in einem Repertoirebetrieb nicht zu realisieren wäre. Viele haben gar keine Ahnung, wie schwierig es oft ist, wenn man kurz vor einer Aufführung schon fürs nächste Stück probiert, weil man an den folgenden Abend denken muss. Aber das ist eben unser Beruf.

-Wäre es Ihnen manchmal lieber, wenn Sie sich auf eine Stilrichtung spezialisieren könnten?

Das wird man oft gefragt, nur leider nie von Intendanten. Natürlich habe ich meine Favoriten, aber wenn ich ehrlich sein soll, dann gefällt mir diese Vielseitigkeit eigentlich ganz gut. Früher haben manche Dirigenten sogar noch nebenher komponiert. Das ist heute gar nicht mehr üblich, dass man so ein Allrounder ist.

-Wo würden Sie den Allrounder E.T.A. Hoffmann musikalisch einordnen?

Irgendwo zwischen Mozart und Beethoven. Das sind jetzt natürlich zwei ganz große Namen, aber dadurch eben zwei sehr gute Anhaltspunkte. Vieles bei der Instrumentierung und den Tonarten weist stark in Richtung Beethoven, aber beim Dirigieren muss ich auch immer wieder an Mozart denken. Und den kann man ja auch mit oder ohne Originalinstrumente machen.

-Hoffmann hat "Liebe und Eifersucht" als sein bestes Werk bezeichnet. Was macht dieses Stück so besonders?

Wir neigen ja immer dazu, so etwas mit "Così fan tutte", "Freischütz" oder "Fidelio" zu vergleichen. Das ist unfair. Es gab zu der Zeit schließlich noch hundert andere Opern, die zu Recht vergessen sind. Ich finde auf jeden Fall, dass es sehr souverän geschrieben ist. Hoffmann beherrschte die Form und wusste genau, was er wollte. Die Figuren haben in der Musik alle ihren eigenen Charakter, auch für das Orchester ist es sehr gut komponiert. Jedes Instrument bekommt mal etwas zu spielen, was über das normale Musizieren vom Blatt hinausgeht.

-Hat das Stück nach dieser Produktion eine Zukunft?

Die Erfahrung zeigt, dass es immer schwierig ist, solche Ausgrabungen im Spielplan zu halten. Ich denke, dass man das Publikum manchmal ein wenig unterschätzt und die Leute durchaus Neues entdecken wollen. Das Gute ist, dass hier wohl niemand ernsthaft erwartet, dass es jetzt den "Don Giovanni" überbietet. Viele erwarten vielleicht sogar etwas richtig Schlechtes. Und gerade die werden positiv davon überrascht sein, wie gut das Stück doch ist. Es lohnt sich wirklich.

Das Gespräch führte Tobias Hell

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