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Vom Lampenfieber geplagt: Konstantin Wecker.

Konstantin Wecker im Circus Krone: Wut für die Manege

München - Zum Auftakt von Konstantin Weckers Tour "Wut und Zärtlichkeit" fanden sich sämtliche Protestgenerationen im Circus Krone ein. Wecker unterhielt nicht nur mit seinem Liedgut, sondern verriet auch, wie er im Knast inspiriert wurde. Eine Kritik:

Ohne Frage stellte das Konzert von Konstantin Wecker und Band am Samstag das perfekte Abendprogramm nach den Occupy-Protesten gegen die weltweiten Finanzmächte dar. Der eine oder andere Konzertbesucher wird wohl tatsächlich mitdemonstriert haben am Stachus. Wenig überraschend füllt vor allem Bildungsbürgertum den Circus Krone. Alle Protestgenerationen sind da: Ältere Herren mit Schiebermütze, jüngere Männer mit Che-Guevara-T-Shirt und viele, viele Frauen aller Altersklassen, oft Mütter und Töchter gemeinsam, sind zum Auftakt von Weckers „Wut und Zärtlichkeit“-Tour gekommen.

„Konzert“ ist aber nicht der treffende Begriff um zu beschreiben, was auf der Bühne passiert: Zweieinhalb Stunden, davon allein eine Dreiviertelstunde für drei ausgedehnte und offensichtlich einkalkulierte Zugaben, begnügt sich Politbarde Wecker nicht damit, altes und neues Liedgut vorzutragen und am Flügel zu begleiten.

Der Musiker trägt zwischen den Songs einige seiner Lieblingsgedichte vor, schäkert mit dem Publikum und erzählt offen, wie er im Knast durch einen singenden Mitgefangenen Inspirationen für Songs fand. Ständig wechselt er zwischen Sitzhocker und Flügel, flitzt über die Bühne, sodass er bald das Jackett abwirft und die Ärmel seines Hemds hochkrempelt. Zwar offenbart Wecker nach einer geglückten ersten halben Stunde, vor diesem Abend Lampenfieber gehabt zu haben. Doch wirkt der Liedermacher bei allem, was er auf der Bühne anstellt, routiniert. Ohne, dass es je unangenehm professionell wäre.

Dazu trägt in gleichem Maße Weckers Band bei, die er zu Beginn mit Attributen wie „unvergleichlich“ einzeln dem Publikum vorstellt. Die drei Mitglieder wechseln virtuos zwischen Instrumenten, beatboxen. Und als Wecker kurz vor Schluss schließlich weitere Musiker auf die Bühne bittet, um gemeinsam seine neue Protesthymne „Empört euch“ anzustimmen, bleibt als einziger Wermutstropfen, dass man ihn gerne damit auch tagsüber auf dem Stachus gesehen hätte.

Juliane Frisse

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