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Karl Valentin.

Den Kontinent Valentin vermessen

Valentins Nachlass in Köln – ab Montag in einer großen Schau zu sehen: Das ist ein Ärgernis für München und Bayern. Oder ist alles gar nicht so dramatisch? Wolfgang Till, Chef des Münchner Stadtmuseums erklärt, warum.

„Valentins Heimkehr“ nennt die Universität Köln eine Ausstellung in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Schloss Wahn, die von 7. September bis 30. Oktober zu erleben sein wird. Wolfgang Till, Chef des Münchner Stadtmuseums, ist als Eröffnungsredner geladen. Dass ein Teil des Karl-Valentin-Nachlasses 1953 am Rhein gelandet ist, bleibt ein Stachel im Fleisch der bayerischen Landeshauptstadt München, war doch Valentin (1882-1948) ein Genie und obendrein ein eingefleischter Münchner. Diese Exponate – „zwei größere Überseekisten“, so Till – waren seit 2007 auf einer Ausstellungstournee zu Valentins 125. Geburtstag unterwegs gewesen; Station in München das Deutsche Theatermuseum am Hofgarten.

Till, nach seinem Köln-Gastspiel gefragt, nimmt es selbstironisch: „Die wollen halt ein schmerzverzerrtes Gesicht aus München dabeihaben...“ Dann erklärt er aber überzeugend, dass die Verzweiflung über den Verlust mittlerweile überflüssig sei: „Man kann diesen Ärger begraben.“ Zumal das Stadtmuseum „seit 1980 mit dem befreundeten Institut“ bestens zusammenarbeite. „Die waren immer großzügig zu uns“, betont er. Im Übrigen: Durch die elektronische Erfassung werde nach und nach das gesamte Schaffen Valentins – Texte, Filme, Fotos, Sammlungen, Skurrilitäten, Manuskripte –, „also der nun zerrissene Bestand“ wieder vereint. „Dann kommt die Münchner Verlustgeschichte zu einem trostreichen Abschluss“, schmunzelt der Museumsdirektor, der im kommenden Jahr in Pension gehen wird.

Sowohl der ausgewiesene Münchner Valentin-Experte Andreas Koll als auch die Kölner Wissenschaftler arbeiten viel auf. Was zunächst noch für Forschungszwecke zur Verfügung steht, werde sicher irgendwann im Internet der Allgemeinheit zugänglich sein, erklärt Till. „Allerdings müssen auch da die Rechte geklärt werden.“ Über die zum Beispiel Rechtsanwalt Vetter wacht.

Außerdem „besitzen wir in München materiell sehr viel von Karl Valentin“, betont Wolfgang Till, der den Komiker-Philosophen einen „Kontinent“ nennt, den man erst noch „kartographieren“ müsse. Im hiesigen Stadtarchiv, Valentin-Karlstadt-Musäum, Stadtmuseum und in der Monacensia sind so viele Valentiniana versammelt, dass „sie ein Äquivalent“ zum Kölner Bestand seien. „Objekte gab es immer nur wenige“, erklärt er im Hinblick auf das Kinderdreirad, das es ins Schloss Wahn verschlagen hat.

Wie aber ist es in den 50ern überhaupt zu dem Verkauf gekommen? „Bargeld lacht“, erklärt der Museumschef. „Die Witwe Fey hat von dem Kölner Sammler Professor Karl Niessen sofort 7000 Mark bekommen. Der Legende nach hat der sonst so geschätzte Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer damals gesagt, die Stadt habe andere Probleme, als für den Nachlass zu zahlen. Aber der Vorwurf, dass sich in der Stadt niemand um den Nachlass bemüht hätte, stimmt so nicht.

Ludwig Kraft vom Puppentheater und Richard Lemp von der Monacensia haben sich engagiert. Sie haben die Sachen auf Mikrofilm aufgenommen. Und Niessen hatte ja extrem schnell gehandelt. Am Abend ist er zur Witwe hingefahren und hat gleich alles eingepackt.“ Das besagte Radl oder auch Bänkelsänger-Tafeln. Trotzdem hätten Witwe und Tochter ihm einiges vorenthalten, was jetzt im Stadtarchiv lagere.

Was aber für Wolfgang Till viel wichtiger ist, als das Kölner Konvolut zurückzubekommen, wäre die Möglichkeit, Fachmann Andreas Koll fest an das Stadtmuseum zu binden. Koll (Valentin-Gesamtausgabe Ton) hat das Konzept der neuen Dauerschau im Valentin-Musäum entwickelt und ist in der Tat ein fabelhafter Valentin-Kenner. Mit ihm, so Till, könne man auch die „visuellen Ideen“ des Münchner Komikers – „er ging ähnlich vor wie Fellini“ – mit denen der Texte zusammenführen. „Eine Gesamtausgabe sollte nicht nur germanistisch korrekt sein, sie muss auch die visuelle Ebene enthalten.“

Aktuelle Münchner Valentin-Hommage:

„Gestern oder im 2. Stock – Komik und Kunst seit 1948“ läuft im Stadtmuseum bis 15. November – inklusive einiger Werke von Valentin.

Simone Dattenberger

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