Kontrolliertes Gewitter

- 26 Jahre alt war Max Bruch, als er 1864 die Arbeit zum ersten Violinkonzert aufnahm, das bis heute zu den populärsten Werken des Komponisten zählt. Ein paar Jahre jünger, nämlich gerade 21, ist Alina Pogostkin, die jetzt mit diesem Stück das Publikum im Münchner Gasteig begeisterte, wo sie beim Konzert der Dresdner Philharmonie unter Leitung von Raphael Frühbeck de Burgos mit ihrer ebenso virtuosen wie feinfühligen Interpretation für den Höhepunkt des Abends sorgte.

Mit jugendlichem Elan und Leidenschaft näherte sich die russische Geigerin dem Werk, dem sie durch ihre sensible Wiedergabe eine eigene, ganz persönliche Note zu geben verstand. Ohne je in falsche Sentimentalität abzudriften, schwelgte Alina Pogostkin im Adagio des zweiten Satzes, bot dabei feine Schattierungen und filigrane Zwischentöne auf, ehe sie sich mit Verve in den Schlusssatz stürzte.<BR><BR>Nach diesem furiosen Finale nahm sich Strawinskys "Feuervogel-Suite" beinahe schon wie eine Zugabe aus, zumal Frühbeck de Burgos hier Expressivität in erster Linie durch Lautstärke zu erzeugen versuchte. Was bei Stücken wie dem "Tanz Kastchejs" durchaus Effekt macht, dem Werk jedoch an anderer Stelle auch einiges von seiner geheimnisvollen Spannung nehmen kann.<BR><BR>Sehr viel ausgewogener präsentierten sich Dirigent und Orchester dagegen bei Beethovens sechster Symphonie, mit der Frühbeck de Burgos den Abend begonnen hatte. Das Rauschen des Baches, der Gesang der Vögel und all die anderen Geräusche, die der Komponist für seine "Pastorale" der Natur abgelauscht hatte, wurden klar herausgearbeitet und dem Zuhörer beinahe plastisch vor Augen geführt.<BR><BR>Dabei blieb die Auslegung des Dirigenten jedoch stets kontrolliert, selbst in den dramatischen Ausbrüchen der Gewitter-Episode, in der Frühbeck de Burgos mit effektvollem, aber manchmal auch zu dominantem Streicherklang aufwartete.<BR>

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