Interview

Konwitschny: „In der Oper sitzen fast nur noch Eventjünger“

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München - Das Opernpublikum, das sich inhaltlich mit den Stücken auseinandersetzt, stirbt aus. Diese Auffassung äußert Regisseur Peter Konwitschny im Merkur-Gespräch.

„Jetzt sitzen da diese Eventjünger, VIP-Personen ohne richtiges Hintergrundwissen.“ Konwitschny, einer der profiliertesten Opernregisseure, feiert an diesem Mittwoch seinen 70. Geburtstag. Seiner Meinung nach ist an den Opernhäusern ein Zeitalter der Kulinarik angebrochen. „Aber das ist ein allgemeines Problem“, so Konwitschny im „Merkur“-Interview. „Je weniger Perspektive die Menschen haben, desto mehr Kulinarik wird produziert. Schöne Bühne, schöne Kostüme – doch wie wär’s mal mit einer schönen Inhaltlichkeit?“ Die globale Kraft des Theaters gehe hin zum Event, zum Bestaunen, zur Ablenkung. Er fühle sich als einer der wenigen, die sich noch ernsthaft um die Stücke bemühen.

Dass immer mehr Schauspielregisseure in der Oper aktiv sind, sieht Konwitschny auch als Problem. „Sie machen meist die Rechnung ohne den Wirt, nämlich ohne die Musik. Die kommt ja nicht dazu, von ihr geht vielmehr alles aus. Da sind viele vollkommen hilflos.“ Über sich selbst meint Konwitschny, er sei „eigentlich ein Kind geblieben“. Er sehe zwar vieles negativ, beklage den Untergang der Kultur, inszeniere dagegen an, könne aber trotzdem spaßig dabei sein. Dass er nun 70 werde, vergesse er über weite Strecken. „Oft habe ich den Eindruck, ich bin so alt wie die anderen, mit denen ich zu tun habe. Dummerweise sind das alles Vierzigjährige.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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