+
EAV Sänger Klaus Eberhartinger.

Erste Allgemeine Verunsicherung

Konzert-Kritik: EAV im Deutschen Theater

  • schließen

München - Die Erste Allgemeine Verunsicherung ist im ausverkauften Deutschen Theater in München aufgetreten. Hier lesen Sie die Konzert-Kritik zur EAV.

Mit Schwung schleudert Thomas Spitzer seinen Turban von der Bühne, den er eben noch zum Märchenprinz trug, die Stromgitarre fliegt auch, wird vom verdutzten Assistenten gerade noch aufgefangen. So viel jugendlicher Übermut nach 35 Bühnenjahren! Der Spitzer hat erkennbar wieder Spaß bei der Arbeit.

Gut so. Zum ersten Mal seit einem halben Jahrzehnt, gefühlt länger, geht die Erste Allgemeine Verunsicherung wieder mit dem Gründungsgitarristen, Texter und Komponisten auf Tournee. Genervt vom „Tralala-Korsett“ der Band und im Unfrieden mit Leadsänger Klaus Eberhartinger hatte sich Spitzer abgemeldet. Für das neue Album „Werwolf-Attacke – Monsterball ist überall“ fand er zurück. Seine einmalig tiefe Bass-Stimme, auch wenn sie oft nur Refrains babbelt, ist unverzichtbar für die Live-EAV, noch mehr seine Texte.

Es ist ja weit mehr als Tralala. Ihr Blödelliedgut spielt die EAV routiniert runter, oft nur eine Strophe wie beim „Wein vom Mykonos/ der ihm in sein Gedächtnis Lücken schoss“. Die Fans im ausverkauften Deutschen Theater lieben das. Mehr Herzblut fließt aber in gesellschaftskritische Texte. Gegen Wurschtigkeit, Fremdenfeinde, Islamisten. „Mach nie die Tür auf“ (aus „Ding Dong“) ist hier ein zynisches Lied über Flüchtlingselend. Eberhartingers Moderation, nur manchmal etwas zäh moralisierend, verbinden Spaß und Ernst.

Mit Spitzer wird auch der Sound satter, Kerkermeister-artig, auf dem Album und live. Auch der neue Bassist Alvis Reid aus Jamaica ist ein guter Einkauf, und die Latte liegt da hoch für ihn als Eik-Breit-Nachnachfolger. Das reicht, um das Münchner Publikum (leider lang sitzend) werwolfartig durchs Theater heulen zu lassen. Einmal nur in 150 Minuten stichelt Eberhartinger, ob hier „Werdackel und Werhamster“ am Werk seien. Auf der Bühne sicher nicht.

Christian Deutschländer

EAV auf dem Tollwood

Die EAV spielt zusammen mit Wolfgang Ambros am 28. Juni auf dem Münchner Tollwood. Telefon: 0700/ 38 38 50 24.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare