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Die Kelly Family ist zurück - nach knapp 20 Jahren wieder in der Olympiahalle.

Am Samstag

Kelly Family for GroKo! So war das Konzert in der Olympiahalle

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Am Samstag ist die Kelly Family in der Olympiahalle in München aufgetreten. Hier lesen Sie die Konzert-Kritik.

Warum ist in den langwierigen Verhandlungen zur neuen Bundesregierung eigentlich keiner auf die Kelly Family gekommen? Von Symphatiewerten und Wellen der Liebe, die den einstigen Straßenmusikern in diesen Tagen und Wochen entgegen schwappt, können Merkel, Seehofer, Schulz und Konsorten nur träumen. Und die Kellys haben den Politikern noch etwas voraus: Sie haben eine klare Botschaft, die Liebe.

Ausverkaufte Arenen und Hallen allüberall seit ihrem Comeback, das im Mai 2017 eigentlich eine einmalige Sache sein sollte und nun, 2018, eine Europatour geworden ist. Auch München liegt den Kellys an diesem Samstagabend zu Füßen, sinnbildlich. In Wahrheit steht das Publikum in der ausverkauften Halle ab dem ersten Ton, die Bestuhlung hätte es gar nicht gebraucht. Vom ersten Song an ist alles so schön wie früher, und das Publikum ist unglaublich bunt gemischt - vom Kind bis zur Oma, von der jungen Mutter bis zum Geschäftsmann, vom Heavy Metal-Fan in Hardrock-Kutte (kein Witz, wirklich gesehen hier!) bis hin zum Alt-Hippie mit langem gezopften Haar auf dem Haupt und im Gesicht.

"München, habt ihr Liebe?", wollen die Kellys nach einer halben Stunde wissen. Kreisch, jaaaaaaaaaa! Und wie! "We got love" heißt das Comeback-Album und die Tour, "wir haben damals in euren Herzen etwas hinterlassen, ihr gebt es uns jetzt zurück: Liebe", schmachtet Jimmy Kelly. Recht hat er. Als ob sie nie weggewesen, wird aus den übrig gebliebenen Kellys (Angelo, Jimmy, Joey, John, Kathy, Patricia und Paul), die auf Tour sind, und ihren Fans eine einzige Familie. Die zusammen singt (klar all die alten, unsterblichen Hits wie "An Angel", "Why Why Why" oder "I can't stop the love" und "Nanana") und Spaß hat.

Das Konzert ist eine Reise durch 40 Jahre Bandgeschichte, die Kellys machen Straßenmusik in höchster Vollendung und in vielen Sprachen. Und in einer Sprache, die jeder versteht und will: die Sprache der Liebe. "Darf man in irren Zeiten wie diesen überhaupt noch Liebe haben?", fragt John Kelly während des Abends einmal. Ja, darf man. Muss man! Liebe funktioniert immer, so, wie es die Kellys heute wieder tun. Inklusive Konfettiregen, ein wenig Feuershow, ein bisschen irisches Liedgut und Singen mitten im Publikum dank Laufsteg. Hoch professionell, perfekt und nahe am Menschen. Knapp zweieinhalb Stunden lang. Nein, niemand muss sich schämen, Kelly-Fan zu sein. Vielleicht sollten die großen Politiker vielmehr mal gemeinsam ein Konzert der Kelly Family besuchen um zu verstehen, was der Mensch braucht und will. Keine großen Reden und langatmigen Verhandlungen oder Machtspielchen, sondern das Gefühl der Liebe, Wärme und Gemeinschaft. So schön einfach ist das - und gar nicht schwer zu kapieren. John Kelly sagt es am Schluss des Konzerts in drei Worten: "Wir sind eins."

Armin Rösl

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