Bosses Hang zur Hyperaktivität war selten so ansteckend. foto: fkn

Konzertkritik

Bosse im Freiheiz - bis die Halle dampft

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München - Zu einem schweißtreibenden Konzert kam Bosse am Donnerstag ins Freiheiz - so war der Abend.

Er hat damals eine Wette abgeschlossen. Seine Überzeugung: 100 Gäste werden’s auf dem nächsten München-Konzert sein. Die 100. Karte hat Bosse dann gleich selbst gekauft. Wette gewonnen. Lachend erzählt der 36-jährige Niedersachse von seinen schwierigen Anfängen in Bayern. Alles lange her. Am Donnerstagabend springt er vor 900 Besuchern über die Freiheiz-Bühne. Selten war ein Hang zur Hyperaktivität so ansteckend.

Bosse muss man live sehen. Zwischen bunten Luftballons tanzt und hüpft und prescht er von einer Hallenseite zur anderen, bis die Schweißtropfen beim Kopfschütteln durchs Scheinwerferlicht spritzen. Diesen Einsatz wünscht er sich auch von seinen Fans. Die dürfen heute alles machen, das Hemd aufreißen, schwanger nach Hause gehen. „So ein Abend soll es sein.“ Ob in dieser Nacht Kinder gezeugt wurden, man weiß es noch nicht. Lebensbejahend aber war’s in jedem Fall.

Sympathisch ehrlich erzählt Bosse in seinen Indie-Pop-Nummern vom Inselglück auf Amrum, wo das beste Bier der Welt (!) auf einen warte, dazu noch vom Älterwerden, von der rennenden Zeit. Und – natürlich – von der Liebe. Richtig gut wird’s, wenn er über die Absperrung zum Publikum klettert, um auch den letzten schüchtern Mitwippenden dazu zu animieren, tänzerisch und gesanglich alles aus sich herauszuholen. Bis die Halle dampft.

Doch Bosse kann auch ruhig. Dann hält er kurz am Mikrofon inne, die Augen geschlossen, Balladen in Akustik-Version. Er wird zum Dirigenten, wünscht sich hier noch etwas mehr Posaune, da ein wenig Orientalisches, hier den Cello-Einsatz. Und jetzt bitte: den Bass ganz langsam, bis ins Unermessliche. Seine Band bietet das alles – und die Fans liefern klatschend den Takt. Am 1. Dezember kommt er wieder nach München, und zwar in die Tonhalle. Es werden mehr als 900 Besucher sein. Wetten, dass...?

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