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Versunken in der Musik: Bryan Ferry im Krone. 

Konzertkritik

Bryan Ferry im Circus Krone: Dandy und Mistkerl

München - Er kann's noch: Bryan Ferry begeistert im ausverkauften Münchner Circus Krone. Hier gibt's die Konzert-Kritik.

Nach 20 Minuten hat er es dann doch wieder geschafft, der alte Mistkerl: Bryan Ferry singt „Don’t think twice“ von Bob Dylan so verdammt gut, dass man sich doch einlullen lässt vom letzten Dandy des Pop. Dieses Timbre, die makellose Intonation und der todsichere Instinkt dafür, wie man zum richtigen Zeitpunkt Seele in eine Silbe legt – das macht Ferry keiner nach. Und es ist alles vergeben und vergessen. Der Plastik-Pop der letzten Roxy-Music-Alben, die Riefenstahl-Ästhetik der Plattencover, Ferrys Reklame für eine Billig-Textil-Kette, das alles spielt keine Rolle mehr.

Ferry, der in zwei Wochen unfassbarerweise tatsächlich seinen 70. Geburtstag feiert, kann man nichts nachtragen. Nicht zuletzt, weil er ein perfektionistischer Könner ist, der weiß, wie ein Konzert funktioniert. Also legt er mit „Smoke get’s in your Eyes“ noch eine Schippe Sentimentalität drauf und gibt dann mit einer entfesselten Version von „Bête Noire“ dem Publikum im ausverkauften Münchner Circus Krone klar zu verstehen, dass er keineswegs gewillt ist, sich mit weniger als grenzenloser Euphorie zufrieden zu geben.

Die Fans liefern pflichtbewusst: Die Frauen, weil sie längst hypnotisiert sind – die Männer, weil sie keine Lust auf Stress mit den hemmungslos enthusiastischen Frauen an ihrer Seite haben. Die aufrichtige Begeisterung freilich haben sich Ferry und seine Mitstreiter mehr als verdient. Ferry macht nämlich keine halben Sachen. Es gibt unter anderem eine furiose Geigerin und eine junge Dame, die mehrere Dutzend Instrumente beherrscht, darunter die gefürchtete Oboe.

Es stört nicht einmal, als sich Ferry kurz von der Bühne verabschiedet, um durchzuatmen, man hört der Band auch beim instrumentalen Zwischenspiel sehr gerne zu. Man hört sogar weiter gerne zu, wenn Ferry im letzten Drittel schamlos die Hits des „Avalon“-Albums abfeuert, um auf Nummer sicher zu gehen. Denn im Ausgleich beglückt er mit frühen Roxy-Music-Krachern aus der Zeit, als sie so eine Art punkigen New Wave spielten, lange bevor es die Begriffe Punk oder New Wave gab. Natürlich hat er einen damit endgültig im Griff und man liegt ihm zu Füßen. Mistkerl.

Zoran Gojic

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