Konzertkritik

Hannes Wader sagt „Pfiat eich“

München - Liedermacher Hannes Wader hat im Münchner Gasteig sein Abschiedskonzert gegeben. Lesen Sie hier unsere Kritik. 

Hannes Wader

Das soll es also gewesen sein mit München und Hannes Wader? Vor den Zugaben bestätigt der Letzte der großen alten fahrenden Barden, was zuvor angekündigt worden war: Wader hört auf mit den Tourneen und wird nie wieder in München spielen. Zum Trost gibt es ein „Pfiat eich“, für das der Norddeutsche wahrscheinlich tagelang mit einem Sprachcoach trainiert hat. Auch wenn es an diesem Abend mitunter ein klein wenig nostalgisch wird – melancholisch oder gar traurig ist Wader keine Sekunde.

Der Carl-Orff-Saal ist ausverkauft

Aufgeräumt stellt der 74-Jährige neue und alte Lieder im ausverkauften Carl-Orff-Saal vor. Die Stoffe sind dieselben, die ihn seit einem halben Jahrhundert umtreiben: Ungerechtigkeit, Frieden, die eigene Herkunft aus der Arbeiterklasse. Dass die Themen immer noch – vielleicht auch wieder – aktuell sind, könnte Wader betrüben. Aber da ist kein bisschen Gram oder Verbitterung spürbar. Man wird in diese Welt hineingeboren und muss dann wieder weg – die merkwürdige Zeit dazwischen, das Leben, ist eben, wie es ist. Manchmal schön, manchmal nicht so sehr. Die einzige Gewissheit bleibt der Tod, über den Wader ziemlich oft singt. Mit gelassener Abgeklärtheit – sich aufzuregen oder Angst zu haben hilft ja auch nicht weiter.

Zum Auftakt gibt es „Heute hier, morgen dort“

Selbstbewusst hat Wader das Konzert mit seinem wohl bekanntesten Stück, „Heute hier, morgen dort“, eröffnet, wie er das seit Jahrzehnten tut. Und ebenso selbstbewusst fordert er am Ende kollektives Mitsingen ein. Das Publikum gehorcht, lautstark erklingt „Sag mir, wo die Blumen sind“. Dazwischen präsentiert sich Wader als Elder Statesman des deutschen Folk mit Haltung, der nordisch nobel darauf verzichtet, Heldengeschichten aus seinem bewegten Leben zu erzählen. Der Typ, der verhaftet und zeitweise vom Rundfunk boykottiert wurde und gerne immer tat, was andere nervte, der verzichtet auf olle Anekdoten und singt lieber „um sein Leben“, wie er in „Damals“ formuliert. Ein proletarischer Aristokrat in gewisser Hinsicht, der stilvoll abdankt und zum Schluss dem Publikum applaudiert.

Zoran Gojic

Rubriklistenbild: © dpa

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