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Laith Al-Deen

Konzertkritik: Laith Al-Deen in der Tonhalle

München - Nonstop-Kuscheln war angesagt beim Konzert von Laith Al-Deen in der Münchner Tonhalle. Die Kritik:

Der Kerl weiß, was Frauen wollen – zumindest was sie hören wollen. Laith Al-Deen lieferte in der Münchner Tonhalle ein grundsolides Konzert für zwei Stunden nonstop kuschelnde Paare und hoffnungsfrohe (weibliche) Singles. Doch viel mehr hatte der Abend leider nicht zu bieten, dafür war er schlicht zu perfekt, zu uninspiriert und damit langweilig.

Er singt von „Liebe“, von „Sicherheit“ und vermittelt gleichzeitig mit seiner unverwechselbaren Soulstimme in unzähligen Varianten quasi jeder anwesenden Dame, dass sie die einzig Wahre sei. Und das immer, ohne dass sich Al-Deens Gesichtsfarbe dem roten Scheinwerferlicht anpasst, ohne dass er dabei plump oder gar unglaubhaft wirken würde. Er ist schließlich Experte in Sachen massentauglicher Zweisamkeit und Nächstenliebe, in Sachen epischer Breite.

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Doch genau bei Letzterem hakt’s. Denn zu selten holt er die Wildsau aus sich heraus, um so Kontraste zu setzen. Zu selten zeigt er, dass hinter der Schmuse-Troubadour-Fassade und diesem von ihm selbst aufgezwungenen Deutsch-Schnulzen-Korsett doch auch ein anständiger Rebell steckt. Nur spärlich legt er seinen Schmäh ab, versucht er sich in völlig unpassender, aber urkomischer Weise im Jodeln oder gar im Beat-Box. Dann rutscht ihm sogar ein einziger Witz unterhalb der Gürtellinie heraus. Mehr aber gibt’s nicht. Laith Al-Deen ist schließlich Profi, hat ein Image zu pflegen, auch wenn er sich selbst über die aalglatte Betitelung „der Sympath“ beschwert. Seine Kollegen sind es am Ende, die mit ihren Improvisationen Pep in den ach so perfekten Deutsch-Pop bringen. Und ihnen hat er es auch zu verdanken, dass dieser Abend so etwas wie Konturen und damit Tiefe bekommen hat.

Angelika Mayr

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