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Marilyn Manson trat in der Münchner Tonhalle auf

Konzertkritik: Es liegt was in der Gruft

München - Marilyn Manson, Schockrocker mit Karriereknick, lieferte in der Tonhalle ein blutleeres Spektakel ab. Was einst schockierte, schaut heute nach Geisterbahn und Pappmaché aus.

Vielleicht lag’s ja an seiner gerade überstandenen Schweinegrippe, dass er noch ein bisserl blasser ums Naserl daherkam als sonst: Marilyn Manson, Schockrocker mit Karriereknick, lieferte in der Tonhalle ein blutleeres Spektakel ab. Vom Nebel des Grauens umwabert, führte der Düstermann noch einmal sein kleines Horrorkabinett unter dem Motto „Musik liegt in der Gruft“ vor – doch was einst schockierte, schaut heute nach Geisterbahn und Pappmaché aus. Mansons Schock’n’Roll – leider leblos.

Dabei hatten sich die Fans so wundervoll in Schale geschmissen, ließen sich auch durch die Verlegung vom Zenith in die kleinere Tonhalle (mangels Nachfrage) nicht den Spaß am Grufteln verderben. Fetisch-Fashion, Netzstrümpfe, Stachelhalsbänder, jede Menge Lily Munsters, scheinbar frisch dem Sarg entstiegen, rabenschwarz vom Scheitel bis zum Fingernagel. Dieses Publikum hätte mehr verdient.

Doch Marilyn Manson ist in seinen Ritualen erstarrt wie der Vampir im Angesicht von Knoblauch. Stahlhelm auf dem Schädel, Deutschlandfahne um die Schultern, eine (huch!) abgefackelte Bibel, gespieltes Koksschnupfen auf der Bühne, ein mattes We love to hate, we hate to love – einfallsloser Horrorstadl. Wenigstens die Musik ging so weit in Ordnung: Mansons Band rammte hübsch bratzigen Gothic Metal in die Halle, aber auch hier Stagnation. Der Untote zeigt der Welt immer noch den Mittelfinger, aber die Welt schaut nicht mehr hin.

Jörg Heinrich

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