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Konzertkritik

Massive Attack: Trip-Hop mit Botschaft

München - Die Tonhalle an zwei Abenden hintereinander auszuverkaufen, ist grundsätzlich eine Ansage. Für „Massive Attack“, die im Rahmen ihrer Europatour am Sonntagabend das erste von zwei Konzerten in München spielten, fällt das allerdings eher unter „Tagesgeschäft“.

Wenn die Trip-Hop-Pioniere einen ihrer selten gewordenen Auftritte ankündigen, kommen schon mal alle, die in den Neunzigern jung waren. Gut, die einen hörten damals hauptsächlich Grunge, die anderen Hip Hop. Aber alle mochten Massive Attack. Ihr auf Funk- und Soul-Elementen aufgebauter Hip-Hop-Sound mit Dub-Einsprengseln war per Qualität und Anspruch konsensfähig.

Mit Beliebigkeit oder gar Mainstream hatten und haben „Massive Attack“ nichts am Hut. Das zeigt erstens ihre aktuelle EP namens „Ritual Spirit“, die mit vier beachtenswerten Kollaborationen aufwartet. Und zweitens erwies sich das Konzert als akustisch-optisches Gesamtkunstwerk und ein Gradmesser des Möglichen hinsichtlich der Verknüpfung von Sound und visuellen Effekten auf der Bühne. Mehr noch: Es geriet zur Reise in perfektionistisch ausgeklügelte, aber gefühlssatte Parallelwelten, in denen der Puls langsamer schlägt und die Botschaften sehr humanistisch sind.

Denn tief sind bei Robert „3D“ Del Naja und Grant „Daddy G“ Marshall und ihren kongenialen Kollaborateuren – unter anderem die schottische Band „Young Fathers“, die wunderbare Martina Topley-Bird und Reggae-Legende Horace Andy – nicht nur die magenhebenden Bässe, sondern auch die Inhalte. Auf einer riesigen, lichtstarken LED-Wand regnete es Farben und Formen auf die in Halbschatten und Nebelschwaden gehüllten Musiker. Bisweilen geriet die visuelle Untermalung sogar zur Hauptsache, etwa als das Funkverkehrprotokoll eines Militäreinsatzes in deutscher Sprache (!) zu hypnotisch pulsierenden Beats herunterlief. Mit dieser zur Hauptsache gemachten Nebensache bewiesen „Massive Attack“ einmal mehr ein waches und kritisches Auge auf die Missstände in der Welt. Und anhand der kundigen Songauswahl, die sich auf die aktuelle EP, das 1998er „Mezzanine“ und die jüngste Platte „Heligoland“ konzentrierten, dass sie auch nach 25 Jahren noch zu den ganz Großen des Genres gehören.

Christoph Ulrich

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