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Sängerin Lorde.

Konzertkritik

Erstaunlich, nicht erwachsen: München feiert Elektropop-Sängerin Lorde 

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Was für eine imposante Person diese Lorde doch ist. Wir haben das Konzert der 20-jährigen Elektropop-Sängerin Lorde im Zenith besucht. Unsere Konzertkritik. 

Ganz ernsthaft, ganz in Schwarz gewandet steht die dünne junge Frau auf der Bühne des gut gefüllten Zenith, wie eine Ritterin der Nachtwache. Dann sagt sie: „Das Lied habe ich geschrieben, als ich 16 war. Es geht um die Angst davor, 17 zu werden.“ Es sind Momente wie dieser, die das umjubelte Konzert für Menschen über 25 zu einer gewissen Herausforderung machen. 

Ella Marija Lani Yelich-O’Connor, wie die mittlerweile 20-jährige Neuseeländerin „bürgerlich“ heißt, singt sehr erfolgreich darüber, wie es ist, eine junge Frau in der Pubertät beziehungsweise der Adoleszenz zu sein. Immer mal wieder tauchen diese Pop-Wunder mit sagenhaften Debüt-Platten auf: Lana Del Rey und La Roux waren das zum Beispiel in der Vergangenheit – und 2013 eben die 16-jährige Lorde, die erstaunlich reife Texte und ohrwurmigen Elektropop schrieb – wie das eingangs erwähnte „Ribs“. Die volle Stimme irgendwo zwischen Annie Lennox und Amy Winehouse. 

Auch das Konzert lässt sich gut an. Die schwarze Bühne wird von großen Reklame-Lettern erleuchtet – „Melodrama“ steht da, so heißt das aktuelle zweite Album. Vorne rechts flackert ein großer Fernsehbildschirm, dann bollert „Homemade Dynamite“ los, Lorde fragt, ob wir tanzen wollen, und schickt „Tennis Court“ hinterher. Aber ach, mit der Zeit leidet der Auftritt unter einer gewissen Eintönigkeit. Auch wegen Lordes doch recht zurückhaltender Art. Die Musik kommt trotz Bühnenmusikern geschätzt zur Hälfte vom Band, auch das hilft nicht gerade. Und die zwei Extra-Tänzerinnen ziehen auch eher eine abstrakte zeitgenössische Performance ab als eine Pop-Choreografie. Dann wird’s ernst: Lorde fragt zu Pianoklängen, ob das Leben nicht „amazing“ sei. Mal sei man happy, mal traurig, und ob sie jetzt nicht einen Whisky von der Bar haben könne. Spätestens da wirkt diese mal himmelhoch jauchzende, mal waidwund augenklimpernde Innerlichkeit doch ein bisschen arg prätentiös. 

Auf der anderen Seite: Sie ist eine 20-Jährige, der die Pop-Welt zu Füßen liegt, was wissen wir schon. Das Publikum feiert die hymnischen Hits „Royals“, „Perfect Places“ und „Green Light“ und verabschiedet seine Heldin frenetisch.

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