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Peter Gabriel in der Münchner Olympiahalle.

Konzertkritik Peter Gabriel: Poesie, Irrwitz und Ekstase

München - Rein optisch mutiert Progrock-Pionier Peter Gabriel immer mehr zu einer Mischung aus Sean Connery und einem Druiden. Doch seine kehlige Stimme tönt ausdrucksstark und sehnsuchtstrunken wie eh und je. Die Konzertkritik.

Bei seinem fast zweieinhalbstündigen Konzert in der Olympiahalle verzichtete er aufs übliche Rock-Instrumentarium: keine Gitarre, kein E-Bass, kein Schlagzeug. Stattdessen ein rund 50-köpfiges Orchester und zwei Gesangspartnerinnen – Rosie Doonan und Gabriels Tochter Melanie.

Ein Pop-Veteran covert sich selbst: Neben zwei Liedern von David Bowie und Regina Spektor präsentierte Peter Gabriel auf- und anregende neue Versionen seiner eigenen Songs, die er einer radikalen Frischzellenkur unterzogen und in ein opulentes Orchestergewand gesteckt hat. Dass dieses Experiment nicht zu der üblichen Rock-meets-Classic-Sülze führte, sondern spektakulär glückte, liegt an den verblüffenden, mutigen, mitreißenden Arrangements von John Metcalfe, der selbst als Perkussionist auf der Bühne agierte. Auf krasse dynamische Kontraste und feinste Klang-Nuancen setzen sie – und schwanken zwischen Poesie, Irrwitz und Ekstase.

Charmant erläutert Gabriel auf Deutsch seine Lieder. Jedes einzelne wird zudem wie ein Mini-Drama aufwändig inszeniert – mit minutiös durchdachten, mal magischen, mal verstörenden Projektionen, Lichteffekten, Animationen, Grafiken oder Videoeinspielungen. So bieten die sagenhaften Song-Szenarien des 62-jährigen Briten faszinierendes Futter für Augen, Ohren und Hirn. Kein Kitsch, kein Kommerz, sondern große Kunst – und ganz große Klasse. Der Lohn: Begeisterungsstürme und Standing Ovations.

Marco Schmidt

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