+
Skunk-Anansie-Frontfrau Skin, ein Energiebündel wie eh und jeh. 

Konzertkritik

Energie! Skunk Anansie in der Muffathalle

  • schließen

Skunk Anansie leben von ihren Crossover-Hymnen des letzten Jahrtausend. Dennoch, die Band weiß ihr Publikum zu begeistern. Unsere Konzertkritik. 

Es gibt Menschen, bei denen würde man gerne mal einen Blick in den Kleiderschrank erhaschen. Deborah Anne Dyer, Frontfrau von Skunk Anansie und meist nur Skin genannt, ist so ein Mensch. Das kahl geschorene Londoner Energiebündel hat vom teuflisch-schwarzen Federkleid über die Sadomaso-Lederkluft bis zur Ganzkörper-Alufolie schon alle Kleidungsexperimente gewagt. 

Und auch beim ausverkauften Konzert in München wurden die Fans nicht enttäuscht. Gehüllt in ein schwarz-weißes Kostüm zwischen afrikanischem Kaftan und Häftlingsanzug stürmte Skin die Bühne der Muffathalle – nur um sich Lied für Lied aus ihrem Gesamtkunstwerk zu schälen. 

Aber Skunk Anansie haben natürlich noch mehr zu bieten. Auch nach bald 25 Jahren im Musikgeschäft brint die Rockformation die Energie auf die Bühne, mit der sie Mitte der Neunzigerjahre während der Britpop-Euphorie für Wirbel sorgten. Skunk Anansie sind dabei immer politisch. So kommt Skin, die sich selbst als „schwarze, glatzköpfige, bisexuelle Amazone“ bezeichnet hat, nicht ohne ihren Appell ans Münchner Publikum aus: gegen Rassismus, Homophobie und Faschismus. „Denn jetzt ist nicht die Zeit zu schweigen.“ Die Münchner danken es mit gereckten Fäusten und lautem Applaus. 

Musikalisch, auch das gehört zur Wahrheit, lebt die Band noch immer von ihren aggressiven Crossover-Stücken aus dem vergangenen Jahrtausend. Dazu tanzt das Publikum noch in den letzten Reihen. Und beim Überhit „Hedonism“, der bis heute regelmäßig im Radio zu hören ist, stimmt die ganze Halle zum Chor an. Bei den neueren Stücken hingegen bleibt es meist beim halbeuphorischen Kopfnicken. Trotzdem, Skins schrille Stimme und Martin Kents satter Gitarrenklang bringen Spaß. Zusammen mit der mitunter spektakulären Lichtshow macht das Skunk Anansies Besuch in München zu einem gelungenen Abend.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Beim Münchner Krimi-Herbst des Internationalen Krimifestivals München lesen hochkarätige Krimi- und Thriller-Autoren aus aller Welt aus ihren Büchern.
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!

Kommentare