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Wanda hier allerdings nicht beim Tollwood, sondern beim Reeperbahn Festival 2015.

Konzertkritik

Wanda beim Tollwood: Amore und Schnaps

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München - Im brütendheißen Tollwood-Musikzelt betören Wanda ihre Fans wie immer mit reichlich Amore und ewigen Ohrwürmern - bis kurz vorm Kollaps.

Dann fällt sie, die Jacke, hellbraunes Wildleder, speckig – flaaatsch – und das Hemd gleich hinterher. Drei Songs sind gespielt, Wanda-Sänger Michael Marco Fitzthum steht jetzt also im weißen Feinripp auf der Bühne, der junge Zausel. Und plötzlich liegt Schnaps in der Luft, schlüpfriger Wiener Dunst, es ist schwül, Fitzthum stößt die Hüften nach vorn, und noch mal.

Kondensschweiß tropft innen vom Zeltdach. Er sagt jetzt nichts, er sagt überhaupt wenig. Einmal zum Publikum: „Ihr seids a Fest.“ Und manchmal: „Amore“.

Wanda, das ist nach Bilderbuch die zweite österreichische Pop-Großmacht, die heuer beim Tollwood auftritt. Sie haben weniger Glamour, dafür mehr Rock’n’Roll und vor allem jede Menge Songs, die man auch mit eisernem Willen nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Dafür werden sie seit Monaten gefeiert, dafür feiern sie seit Monaten. Vielleicht sieht Fitzthum nicht nur so aus, als hätte er in der Nacht am Kneipen-Tresen geschlafen, vielleicht hat er’s wirklich gemacht. Eh wurscht. Zu Wanda, da musst du zappeln.

Und während der Sauerstoff-Gehalt im Tollwood-Zelt sinkt und sinkt steigt die Ohrwurm-Trunkenheit derer, die da zappeln. Und klar, die fünf Musiker aus Wien spielen alles, wofür das Publikum sie liebt. „Bussi Baby“, „Meine beiden Schwestern“ und, ganz am Schluss, „Bologna“, den Song, der ja auch eine Botschaft ist. „Wenn jemand fragt, wofür Du stehst – dann sag’: Amore“, singt Fitzthum. Liebe, ach mei, in dieser Zeit.

Darauf könne sich jedenfalls alle einigen, selbst groß gewachsene, blonde, bärtige Kerle kreischen Richtung Bühne. Dass sie so viel Liebe zurück bekommen, sind Wanda gewohnt. Als Fitzthum ins Mikro schmäht: „Schön, das ihr da seid“, meint er eigentlich: Seid mal froh, dass da bin. Wie so ein Kaffeehaus-Kellner, nur schwitziger. Wiener Laune halt. Wer schimpfen wollte, könnte sagen, dass die Band a bisserl schnell durchs Programm huscht. Aber wer will denn schimpfen? Lohnt nicht. Amore!

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