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Sänger Xavier Naidoo.

„Nicht von dieser Welt“

Konzertkritik: Xavier Naidoo bringt Bar-Atmosphäre in Olympiahalle

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München - Der deutsche Soul- und R&B-Sänger Xavier Naidoo trat am Montagabend im Rahmen seiner Tour „Nicht von dieser Welt“ in der Münchner Olympiahalle vor rund 12.000 Fans auf. Die Konzertkritik zum Nachlesen.

"Ist schon sehr christlich, oder?" Der Besucher in Reihe 10 gestern Abend in der Olympiahalle wirkt erstaunt. Dabei hält der Mann auf der Bühne in der Hallenmitte doch nur, was seine Gospelstimme verspricht: Xavier Naidoo preist Gott. Und die 12.000 Fans preisen ihn.

Es ist ein bisschen wie auf dem Weltjugendtag. Naidoo stimmt ein Halleluja an auf die Renaissance der Liebe, appelliert an Mitmenschlichkeit, formuliert etwas schief den Wunsch, "dass es uns gelingt, die Gewalt gegen Frauen zu Ende zu bringen". Im Sinne von: Zivilcourage zeigen, sich dazwischenstellen, wenn man im eigenen Umfeld Zeuge solcher Straftaten wird. "Das lass ich nicht zu" ist die musikalische Unterstreichung dieses Wunsches. Und damit man bei all den Bessere-Welt-Nummern im gleichen Stil nicht müde wird, legt der Mannheimer auf der drehenden Bühne ("unser Glücksrad") ab und an a capella Beats ein.

Das Publikum ist selig, von "20.000 Meilen" bis "Sag es laut" - sie sind ihm erlegen und lauschen bewegt. Bei "Führ mich ans Licht" gibt er sich dann besonders prophetisch: "Das Lied habe ich für meinen Sohn geschrieben, lange bevor er geboren wurde. Weil ich immer gespürt habe, dass ich mal Vater sein würde." Und danach gemeinsam singen, "bis die Halle schwebt".

Ja, man muss schon offen sein für Bekenntnisse zum religiösen Glauben. Aber Schiebermütze ab: Es gelingt ihm, intime Bar-Atmosphäre in die ausverkaufte Halle zu bringen. Weil die vergangenen beiden München-Konzerte im Regen endeten, entschied er sich diesmal für die überdachte Variante. Der Himmel wirkte trotzdem ganz nah.

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