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Ein Lächeln für die Fans in der Olympiahalle: a-ha-Sänger Morten Harket überzeugt mit strahlend reiner Stimme.

Unplugged in der Olympiahalle

Glasklar wie Fjordwasser: a-ha funktionieren auch ohne Synthesizer

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Mit einem ganz besonderen Konzert haben die Norweger von a-ha ihre Fans in München bezaubert. Die Synthiepop-Band spielt ihre besten Songs unplugged und sorgt somit für Intimität in der Olympiahalle.

München - Wie klingt eine Synthiepop-Band ohne Synthesizer? Im Falle von a-ha: fantastisch. Die norwegischen Chartstürmer haben ihre Lieder völlig umarrangiert, und das neue akustische Gewand steht ihnen oft sogar besser als die alte elektronische Hülle. Bei ihrem Unplugged-Konzert in der Olympiahalle ist von Beginn an klar: Das wird keine Wir-trällern-unsere-Hits-Routine, sondern etwas ganz Besonderes.

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Der Klang ist glasklar wie Fjordwasser; auf der Bühne bedienen neben dem Bandtrio sieben weitere Musiker Instrumente wie Cello, Cembalo, Harmonium, Vibrafon und Saxofon. Eingeschlichen hat sich auch ein E-Bass, der allerdings so sanft singen kann wie ein Kontrabass. Das mit Lust und Leidenschaft agierende „Tentett“ verleiht den frisch polierten Pop-Perlen neuen Glanz - reduziert auf ihren Kern, ohne Schnörkel oder Schnickschnack, kommen die musikalische Substanz und die melodische Pracht viel besser zur Geltung.

Tourauftakt in München: a-ha brillieren auch ohne Synthesizer.

Aha-Erlebnis mit Gemütlichkeit

Ein Aha-Erlebnis der leisen Töne: Die Norweger probieren’s mal mit Gemütlichkeit und schaffen es tatsächlich, einen Hauch von Intimität in die Riesenhalle zu zaubern. Es zeugt von Mut, hier ein so ruhiges, elegisches Programm ohne größere dynamische Kontraste zu präsentieren. Motto: Träumen statt Tanzen. Oder Schwermut statt Schwung.

Doch jedes Lied wird sorgfältig inszeniert; mal ist die Bühne in strenges Schwarz-Weiß-Licht getaucht (Lifelines), mal leuchtet sie glutrot (Memorial Beach), mal zucken nervöse Lichtfinger (Scoundrel Days), und auf einer Leinwand im Hintergrund sieht man kaleidoskopartige Animationen oder stimmungsvolle Zeitraffer-Aufnahmen von skandinavischen Küstenlandschaften. So gerät man bald in einen traumhaften Schwebezustand - zwischen Magie, Melancholie und Meditation.

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Pianist Magne Furuholmen charmiert mit Ansagen auf Deutsch, während Gitarrist Paul Waaktaar-Savoy sich ebenso zurückhält wie Sänger Morten Harket, der seine strahlend reine Stimme noch immer in beeindruckende Höhen schraubt. Bei The Sun Always Shines On TV hält es in der bestuhlten Arena niemanden mehr auf den Sitzen, und als letzte Zugabe gibt es eine innige, sehnsuchtsvolle, anrührende Balladen-Version des Welthits Take On Me - ein würdiger Abschluss.

Marco Schmidt

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