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Ein heißer Standort-Favorit für einen möglichen Konzertsaal ist das Areal hinter dem Circus Krone – der Bayerische Rundfunk wäre dann nicht weit.

Konzertsaal-Debatte: „Bald sind wir schlauer“ 

München - Still ist es geworden in der Debatte um einen neuen Münchner Konzertsaal. Das Projekt ist allerdings nicht vergessen: In ein paar Wochen werden drei mögliche Standorte vorgeschlagen.

Nach dem ursprünglichen Zeitplan wäre längst eine heiße Debatte im Gang. Über Standorte, über die Verkehrsanbindung an diesen verschiedenen Plätzen und über die jeweilige städtebauliche Bedeutung. Bis zum Sommer wollte die Arbeitsgruppe, die sich auf Einladung von Kunstminister Wolfgang Heubisch mit dem Projekt befasst, Vorschläge unterbreiten. „In einem guten Monat“, so kündigte nun Ministeriums-Sprecherin Christa Malessa an, „sind wir auf alle Fälle schlauer“.

Drei Standorte sind es dann wohl, die vorgeschlagen werden. Der Finanzgarten dürfte dazugehören, wohl auch das Areal am Circus Krone. Nächster Schritt wäre dann eine Absichtserklärung des Freistaats – die dringend benötigt wird, damit man bei Sponsoren anklingeln kann. Was zugleich bedeutet: Das Projekt ist noch längst nicht tot, wie es manch städtischer Vertreter glaubt oder hofft. Offiziell hält man auf Rathaus-Seite an folgendem Modell fest, wie es Kulturreferent Hans-Georg Küppers kürzlich in unserer Zeitung ausgeführt hat: Philharmoniker, BR-Symphonieorchester und private Veranstalter teilen sich den renovierten Gasteig, als Ausweichquartier soll der Herkulessaal herhalten.

Eine gemeinsame Nutzung allein der Philharmonie, das haben zwei Gutachten ergeben, funktioniert aufgrund der vielen Proben- und Konzerttermine allerdings nicht. Experten verwundert das wenig. „Es war von Anfang an unrealistisch zu glauben, dass das Programm von zwei Konzertsälen plötzlich in einem Saal stattfinden könnte“, sagt Stephan Gehmacher, Manager des BR-Symphonieorchesters. Und der Notnagel Herkulessaal? „Dies würde keine Verbesserung der gegenwärtigen Situation bringen, da der Herkulessaal schon heute den Anforderungen eines modernen Konzertbetriebes nicht gerecht wird. Fragen Sie doch mal die Philharmoniker, ob die tatsächlich in den Herkulessaal wollen, das würde mich sehr wundern, auch die Kollegen der Philharmoniker wissen nur zu gut, welche Probleme der Herkulessaal hat.“

Der hat nämlich mindestens zwei: Beim Publikum ist der Saal, der den Charme einer Aussegnungshalle verströmt, nicht sonderlich beliebt. Außerdem bietet er – unter finanziellen Gesichtspunkten gesehen – zu wenige Plätze. Gerade beim BR bekommt man Letzteres zu spüren: „Dann dirigieren Mariss Jansons, Riccardo Muti oder Sir Simon Rattle“, sagt Gehmacher, „und wir können nur 1200 Karten anbieten – was uns viel zu wenig ist“.

Die Stadt, die ihre Gasteig-Renovierung auf unbestimmte Zeit vertagt hat, befindet sich derzeit in einer Grübelphase: Klassische Konzertsäle, so argwöhnen Küppers und Gasteig-Chefin Brigitte von Welser, könnten in ein paar Jahrzehnten ohnehin „out“ sein – wenn das Publikum auf das althergebrachte Konzertritual keine Lust mehr verspürt. „Ein demokratischer Raum“, so stellt sich Küppers vor, könnte dieser Saal sein, nicht nur ein Mekka für Klassikfans.

Auch beim BR wünscht man sich einen „demokratischen Raum“, in dem kostenlose Lunchkonzerte, Einführungsveranstaltungen und Jugendprojekte stattfinden können. Eine fatale Fehleinschätzung sei es aber, dass es in zwanzig Jahren kein Interesse mehr für klassische Musik gebe. Gerade diesen Fehler habe die Stadt schließlich vor Jahrzehnten mit dem Bau der Philharmonie begangen, gibt Gehmacher zu bedenken. „Die wurde als Multifunktionsraum konzipiert – mit dem Ergebnis, dass wir alle die schlechte Akustik beklagen und viele hervorragende Dirigenten es vorziehen, dort nicht aufzutreten.“

Von Markus Thiel

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