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„Leuchtturm“ am Isarufer? Am Deutschen Museum könnte ein Konzertsaal von internationalem Rang entstehen.

Konzertsaal: Grollen am Geldhahn

München - Der Bayerische Landtag ist sich uneins über den geplanten Münchner Konzertsaal: Wie so oft geht es ums Geld - und über den Gram einiger Abgeordneten, dass Kultur vor allem in der Landeshauptstadt gefördert wird.

Es ist das Stück „Wir gegen uns“, und es scheint im Abo zu laufen. Erneut wehren sich nordbayerische CSU-Politiker gegen überdurchschnittliche Kultur-Investitionen der eigenen Staatsregierung in Münchner Projekte. Fraktionsvize Alexander König (50) will sogar gegen den kompletten Staatshaushalt stimmen, falls darin auch nur ein Cent für den geplanten Konzertsaal in München enthalten sein sollte. Dies sei „keinesfalls zustimmungsfähig“.

Das wäre ein beispielloser Eklat. Immerhin ist der Hofer kein krachlederner Hinterbänkler, sondern einer der wichtigeren Manager der CSU-FDP-Koalition. Beim Thema Kultur fährt er aber regelmäßig aus der Haut. Schon die Sanierung des Gärtnerplatztheaters, 70 Millionen Euro schwer, war ihm zu teuer: „Schickimicki-Pläne“, grollte er. König ist Wortführer jener Abgeordneten, die sich über die Ballung der Kultur in der Großstadt grämen.

Der Konzertsaal ist das jüngste Riesenbaby der weißblauen Kulturpolitik. Für grob geschätzte 150 Millionen Euro könnte am Deutschen Museum eine „Isar-Philharmonie“ von internationalem Rang entstehen (Alternativstandort: Finanzgarten). Ministerpräsident Horst Seehofer sieht den Konzertsaal als „eines jener Leuchtturmprojekte, die der Freistaat neben allen wirtschaftlichen Projekten auch in der Kultur braucht“. So etwas müsse es nicht nur, aber auch in der Landeshauptstadt geben. Seehofer will 2012 einen Grundsatzbeschluss des Kabinetts.

Nun muss er aber vorfühlen, ob der Landtag mitmacht. Sollten zehn, 20 Koalitions-Abgeordnete meutern, hätte Seehofer ein ernstes Problem. Die Stimmung tendiere dazu, sich mal „mit dem Horst anzulegen“, heißt es unter einigen Parlamentariern, die gerne früher eingebunden worden wären. Am Geldhahn sitzt der Landtag.

Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) bemüht sich nun, die Wogen zu glätten, aber Kurs zu halten. Er investiere viel auch in die Regionen, sagt er. Der Konzertsaal sei aber „für ganz Bayern ein enorm wichtiges Projekt“. Es gehe um den internationalen Anspruch, auch in der Konkurrenz zu Berlin. Zudem müsse das bürgerschaftliche Engagement privater Sponsoren zählen (erhofft werden 25 bis 40 Millionen Euro). Heubisch kann sich vorstellen, Landesmittel, die für das Deutsche Museum angedacht waren, auch für den Konzertsaal zu verwenden. Er träumt von einer Eröffnung 2018.

Und jetzt? Die Regierung reagiert seit dem Mediengewitter wegen eines Gutachtens zur Entwicklung Bayerns sensibel auf Vorwürfe, die Regionen zu vernachlässigen. Andererseits ist Königs Durchschlagskraft umstritten. Bisher grantelten seine Nordbayern gerne, stimmten aber dann doch zu. Die Sanierung am Gärtnerplatz zum Beispiel startet im Mai 2012.

Christian Deutschländer

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