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Geschätzte 120 bis 130 Millionen Euro kostet der Um- und Anbau des Münchner Marstalls. Die BR-Symphoniker bekämen dort ihre ersehnte Heimat.

Seehofer spricht sich für Projekt aus

Konzertsaal im Marstall: "Ich möchte dieses Projekt"

Ein Konzertsaal im Münchner Marstall ist offenbar kein bloßer Wunschtraum mehr: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich für das Projekt ausgesprochen. Die Konkurrenz vom Gasteig ist deshalb aufs Höchste alarmiert.

Wenn er etwas durchsetzen will, kann Dirigent Mariss Jansons ziemlich lästig werden. Das bekam kürzlich Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) zu spüren, als er sich zum Marstall-Saal ablehnend äußerte - und der Chef des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks sofort auf ein gemeinsames Essen drängte.

Eine Etage höher war Jansons nun erfolgreicher. Nach einem Treffen in der vergangenen Woche mit Horst Seehofer weiß er den Ministerpräsidenten an seiner Seite. "Ich möchte dieses Projekt", äußerte sich Seehofer gegenüber unserer Zeitung. "Wir müssen jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, um es möglich zu machen." Er sei sich mit Jansons einig, "dass ein neuer Saal auf dem Marstallgelände eine große Chance für die Kunst- und Kulturstadt München ist".

Die zuständigen Ressorts müssten prüfen, wie dieses Projekt unterstützt und realisiert werden kann. Bereits zuvor hatte sich Seehofer auf einem Empfang in der Evangelischen Akademie Tutzing dahingehend geäußert.

Für den Marstall-Saal ist dies das so lang erwartete Signal aus der Staatskanzlei. Noch immer ist zwar offen, wie der Um- und Anbau finanziert werden soll (und ob der Koalitionsparther FDP auch zum Marstall-Fan wird). Doch ohne eine Absichtserklärung des Freistaats fließt schließlich kein dringend benötigtes Geld - vor allem von Seiten möglicher Sponsoren, die bislang keine ungelegten Eier bezahlen wollten.

Auf 120 bis 130 Millionen Euro werden die Baukosten geschätzt. BR-Intendant Thomas Gruber zeigte sich "außerordentlich dankbar" für Seehofers Äußerungen und stellte zehn Millionen Euro als Mietvorauszahlung in Aussicht. Dem BR sei bewusst, dass er das Erstbelegungsrecht für seine Orchester "nicht zum Nulltarif" haben könne.

Insgesamt, so eine intern kursierende Zahl, möchte der Sender 25 Millionen beisteuern. Für den Rest müssten dann Freistaat und Sponsoren aufkommen. Was beim BR-Symphonieorchester, dem Hauptnutzer des geplanten Saales, die Korken knallen lässt, alarmiert allerdings die Nutzer und Betreiber des Gasteig aufs Höchste. Denn eigentlich hatte sich die Stadt München auf eine Renovierung der klanglich dürftigen Philharmonie eingestellt.

Dabei wurde folgende Rechnung aufgemacht: Wird der Marstall-Saal immer unwahrscheinlicher, steigen die Chancen für eine umfangreiche Sanierung der Philharmonie. Der japanische Star-Akustiker Yasuhisa Toyota hatte das Haus bereits in Augenschein genommen - und mit seinem millionenschweren Kostenvoranschlag den Verantwortlichen die Tränen in die Augen getrieben.

"Ich war schon sehr verblüfft, dass der Ministerpräsident so deutliche Worte gewählt hat", sagt Gasteig-Chefin Brigitte von Welser. Denn eigentlich hatte man sich von Seiten der Stadt München eine ganz andere Marschroute vorgestellt: mit dem Bayerischen Rundfunk ein Modell zu entwickeln, wie Münchner Philharmoniker und BR-Symphonieorchester gemeinsam eine umgebaute Philharmonie nutzen könnten.

Brigitte von Welser lässt daher schon Sanierungspläne entwickeln. Die zielen auf eine runderneuerte Philharmonie, die "mehr als bisher auf die Klassik ausgerichtet ist". Natürlich sei man sich mit dem BR einig, die Musikstadt München "so glänzend wie möglich dastehen zu lassen". Doch sei, und das ärgert die Gasteig-Chefin, in den letzten Jahren das schiefe Bild entstanden, dass an der Philharmonie überhaupt nichts verbessert werden könne.

Die Gasteig-Verwaltung und mit ihr die Stadt München hoffen nun, dass sie im Spiel um den besseren Saal den größten Trumpf in der Hand haben. Und das ist immer noch das Finanzargument - beziehungsweise Brigitte von Welsers ganz simple Frage: "Will sich München wirklich die doppelten Betriebskosten für zwei große Konzertsäle leisten?"


Markus Thiel

 

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